Empirische Befragung
Bereitstellung aktuarieller Daten für Bilanzierungsprozesse und Risikomanagement
Unter dem Titel „Bereitstellung aktuarieller Daten für Bilanzierungsprozesse und Risikomanagement“ führten die Versicherungsforen Leipzig gemeinsam mit der Consinto GmbH im März und April 2011 eine empirische Umfrage in deutschen Lebensversicherungsunternehmen durch. Ziel der Umfrage war es, Aussagen und Einschätzungen sowohl zur fachlichen und technischen IST-Situation als auch zur angestrebten SOLL-Ausgestaltung von Bilanzierungs- und Reportingprozessen sowie der aktuariellen Datenhaltung in Lebensversicherungsunternehmen vom Markt einzuholen und anhand einer stabilen Grundgesamtheit einen verlässlichen Marktüberblick zu erheben.
Leider reichte die tatsächliche Teilnehmerzahl im Umfragezeitraum nicht aus, um eine solche belastbare Grundgesamtheit zu bilden. Weil wir jedoch – nicht zuletzt auf Grundlage der bisherigen Umfragerückläufer – der Meinung sind, dass die effiziente und effektive Bereitstellung aktuarieller Daten, die den Kriterien der Datenqualität genügen, ein Thema ist, welches die Versicherungsgesellschaften noch auf mehrere Jahre hinweg bewegen wird, ist es unser Wunsch, die vorliegende Umfrage fortzuführen, den Marktüberblick zu vervollständigen und in den Markt zu spiegeln, um den Teilnehmern eine belastbare und nachvollziehbare Basis für die eigene Positionsbestimmung zu geben.
Daher würden wir uns sehr freuen, wenn Sie sich aus Sicht Ihres Hauses an der Umfrage beteiligen. Sie finden den Fragebogen zum Ausfüllen und anschließenden Faxversand rechts im Informationsbereich; alternativ können Sie die Möglichkeit des Online-Fragebogens unter www.versicherungsforen.net/aktuarielle_daten nutzen.
Im Informationsbereich rechts finden Sie eine erste Kurzauswertung der Umfrage. Die hier dargestellten Ergebnisse können aufgrund der zu geringen Teilnehmerzahl nur als unvollständige Momentaufnahme oder Schlaglicht angesehen werden. Für einige Sachverhalte scheinen Tendenzen erkennbar, andere Aussagen sind teilweise widersprüchlich; mit einer Fortführung der Erhebung sollen Tendenzen verstärkt oder aber komplett zerschlagen werden, ebenso sollen etwaige Widersprüchlichkeiten in einzelnen Aussagen aufgelöst werden.
Präambel und Motivation der Befragung
Lebensversicherungsunternehmen in Deutschland sehen sich aktuell einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber. Dazu zählen vor allem die Finanz- und Wirtschaftskrise mit ihren Auswirkungen auf das Neugeschäft und das Kapitalmarktumfeld und die zunehmenden regulatorischen Anforderungen wie zum Beispiel die europäische Rahmenrichtlinie Solvency II sowie deren Konkretisierungen, u.a. im Rahmen der QIS-Studien, der MaRisk VA und den Berichts-Pretests. Diese neuen Aufsichtsprinzipien fügen sich ein in ein System aus Rechnungslegungs- und Reportinganforderungen aus HGB, BilMoG, IAS/IFRS und VAG. Den Regularien gemein ist, dass die Aktualität, Qualität und Transparenz der Unternehmenszahlen, die einerseits Gegenstand der Unternehmens- und Risikosteuerung und andererseits Reportinginhalt gegenüber der Öffentlichkeit und der Aufsicht sind, von zunehmender Wichtigkeit sind. Bei dieser Entwicklung ist das Aktuariat in starkem Maße eingebunden.
Wenn man bedenkt, dass mehr als 95 Prozent der Passivseite der Bilanz eines Lebensversicherers aus versicherungsmathematisch berechneten Positionen besteht, erkennt man, dass die Effektivität und Transparenz der aktuariellen Bilanzierungs- und Reportingprozesse sowie die Datenbereitstellung für selbige oberste Priorität besitzen sollte. Hinzu kommt, dass im Rahmen halbjährlicher sowie quartalsweiser oder gar monatlicher Berichterstattungspflichten die vorhandenen Zeitfenster für die Bereitstellung verlässlicher Daten immer kleiner werden.
Es wird eine Vielzahl von Daten benötigt, die sich vor allem durch Konsistenz, Vollständigkeit, Geeignetheit und Revisionssicherheit auszeichnen müssen. In der aktuellen Unternehmenswirklichkeit kommen diese Daten allerdings oft aus den unterschiedlichsten Systemen. Um eine Versorgung mit Daten zu gewährleisten, die die genannten Gesichtspunkte erfüllen, ist eine Neuorganisation und Teilautomatisierung der Prozesse angebracht. Es sind Systeme und Prozesse nötig, die alle Daten in der erforderlichen Qualität zentral vorhalten. Diese können dann zur Auswertung, Weiterverwendung und zu Reportingzwecken zur Verfügung gestellt werden.
Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die individuelle Datenverarbeitung im Aktuariat (kurz IDV). Für Anforderungen aus dem operativen Geschäft (Bestandssysteme) werden in der Regel zentrale mathematische Subsysteme eingesetzt, während für Sonderbestände und für das dispositive Geschäft je nach Einsatzgebiet Speziallösungen zum Einsatz kommen. Wegen der Inkompatibilität untereinander und zu den operativen Systemen sind zusätzlich neue Stolpersteine auf dem Weg zu effizienten Prozessen vorhanden.
Solvency II und MaRisk fordern zwar nicht explizit die Einführung eines Datawarehouse, dessen Vorteile und die Fähigkeit, die Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen im Hinblick auf Datenqualität, Berechnungen und Simulationen sowie Berichtsinhalte und -frequenzen zu erfüllen, legen jedoch zumindest eine Beschäftigung mit diesem Thema nahe. Viele Lebensversicherer tragen sich mit dem Gedanken, ein Datawarehouse aufzubauen, einige haben auch bereits entsprechende Umsetzungsprojekte gestartet oder zumindest Projekte aufgesetzt, in denen es um den Aufbau eines aktuariellen Datenpools geht.
Aufbau des Fragebogens
Gegenstand der vorliegenden Befragung, die die Versicherungsforen Leipzig GmbH im Auftrag der Consinto GmbH durchführt, ist es, Aussagen und Einschätzungen sowohl zur fachlichen und technischen IST-Situation als auch SOLL-Vorstellung der Ausgestaltung der Bilanzierungs- und Reportingprozesse sowie der aktuariellen Datenhaltung in Lebensversicherungsunternehmen einzuholen. Dies insbesondere vor dem Hinter-grund der zuvor geschilderten Rahmenbedingungen für das Datenmanagement und Reportingprozesse, in die speziell das Aktuariat eingebunden ist. Den fachlichen Rahmen und damit gleichsam eine Orientierungshilfe innerhalb des Fragebogens bildet die nachfolgende kombinierte Abbildung des Prozesses der Aktuariellen Datenbereitstellung in Verbindung mit der Zielarchitektur eines Datawarehouse.

Susan Drechsler
T +49 (0) 341/ 124 55 -12
F +49 (0) 341/ 124 55 -99
M +49 (0) 172/ 3 69 89 64