Newsletter Mai 2019

Entwicklung der Solvenzquoten 2018 zumeist positiv

Zum dritten Mal mussten die Versicherer am 23. April 2019 ihren jährlichen Bericht über Solvabilität und Finanzlage (SFCR) gemäß Solvency II veröffentlichen und damit ihrer Transparenzverpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit nachkommen. Neben vielen anderen Kennzahlen und narrativen Berichtsteilen enthält der SFCR die Solvenzquote (SCR-Quote) des Unternehmens. Wie hat sich diese bei den jeweils zehn größten deutschen Lebensversicherern, Krankenversicherern und Schaden-/Unfallversicherern (gemäß Marktanteilen 2017 aus der Statistik der BaFin) gegenüber den Vorjahren entwickelt?

Bei den Top 10 der Lebensversicherer haben vier der Unternehmen ein (partielles oder vollständiges) internes Modell im Einsatz. Drei Unternehmen verwenden die Übergangsmaßnahme bei versicherungstechnischen Rückstellungen, sieben die Volatilitätsanpassung (dabei haben zwei von ihnen beides im Einsatz). Im Durchschnitt hat sich die Solvenzquote erhöht: Im Jahr 2016 betrug sie 361 Prozent, stieg dann 2017 auf 403 Prozent und hat nun 2018 449 Prozent erreicht. Ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung läge die durchschnittliche Solvenzquote bei 280 Prozent (2017: 281 Prozent, 2016: 234 Prozent). Alle Unternehmen erfüllen (im Gegensatz zum Jahr 2016) auch ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung die Kapitalanforderung, wobei dies bei zwei Lebensversicherern mit einer SCR-Quote von 105 bzw. 110 Prozent recht knapp ist. Die durchschnittliche MCR-Quote (MCR bezeichnet die Mindestkapitalanforderung) der Top-10-Lebensversicherer ist ebenfalls gestiegen und beträgt 1.041 Prozent (2017: 914 Prozent, 2016: 850 Prozent).

Von den Top-10-Krankenversicherern haben vier ein (partielles oder vollständiges) internes Modell im Einsatz. Von der Volatilitätsanpassung machen drei Krankenversicherer Gebrauch. Die durchschnittliche SCR-Quote ist mit 470 Prozent nach einem zwischenzeitlichen Anstieg etwas niedriger als 2016 (2017: 500 Prozent, 2016: 474 Prozent). Ohne Volatilitätsanpassung würde sie 446 Prozent betragen (2017: 488 Prozent, 2016: 428 Prozent). Auch die durchschnittliche MCR-Quote der Top-10-Krankenversicherer ist gegenüber dem Vorjahr gesunken und liegt nun bei 1.258 Prozent (2017: 1.339 Prozent, 2016: 1.167 Prozent).

Bei den zehn größten Kompositversicherern sind sechs (partielle oder vollständige) interne Modelle im Einsatz. Vier Unternehmen nutzen die Volatilitätsanpassung. Im Durchschnitt ist die Solvenzquote gegenüber den Vorjahren stabil und liegt bei 250 Prozent (2017: 243 Prozent, 2016: 246 Prozent). Ohne Volatilitätsanpassung läge die durchschnittliche Solvenzquote bei 245 Prozent (2017: 238 Prozent, 2016: 241 Prozent). Die durchschnittliche MCR-Quote beträgt 639 Prozent (2017: 628 Prozent, 2016: 634 Prozent).

Wie vom GDV erwartet, hat sich die Solvenzlage 2018 positiv entwickelt. Man prognostizierte den Lebensversicherern eine erneut gestiegene und den Schaden-/Unfallversicherern eine stabile Quote, was sich auch in den von uns betrachteten Top-10-Unternehmen widerspiegelt.

Jedoch haben die Top-10-Krankenversicherer einen Abfall der durchschnittlichen SCR-Quote zu verzeichnen. Bei acht von ihnen hat sich die Quote gegenüber dem Vorjahr verschlechtert, im schlimmsten Fall um -103 Prozentpunkte. Ein Krankenversicherer hat dieselbe Quote wie 2017, ein weiterer konnte seinen Wert um 86 Prozentpunkte erhöhen.

Die größte Verbesserung der SCR-Quote eines Top-10-Kompositversicherers beträgt +65 Prozentpunkte, die größte Verschlechterung -21 Prozentpunkte. Sechs der Unternehmen haben eine SCR-Quote, die sich höchstens um 10 Prozentpunkte von der Vorjahresquote unterscheidet.

Von den Top-10-Lebensversicherern konnten acht ihre Solvenzquote erhöhen, im besten Fall um +221 Prozentpunkte. Die individuellen Verschlechterungen betragen -66 bzw. -59 Prozentpunkte. Der GDV führt den Anstieg der Quoten in der Lebensversicherung auf die Stabilisierung des Zinsumfelds sowie die Neuausrichtung des langfristigen Geschäftsmodells zurück, wodurch die Kapitalanforderungen unter Solvency II gesunken sind.

Überarbeitung der Berichtsanforderungen

Das Erreichen der oben erwähnten Zielsetzung der SFCR-Veröffentlichung – Transparenz – sieht der GDV kritisch. Eine Erhebung der Abrufzahlen der SFCR 2017 durch den Verband hat ergeben, dass diese in den ersten vier Monaten nach Veröffentlichung hochgerechnet bei ca. 11.800 lagen, was monatlich durchschnittlich ca. 33 Downloads pro Unternehmen bedeute. Dabei sei die Streuung groß, die Berichte einiger Unternehmen werden häufiger gelesen, die anderer Versicherer überhaupt nicht. Das Bestreben, eine breite Öffentlichkeit über die aktuelle Finanz- und Solvenzlage der Versicherungsunternehmen zu informieren, wird demnach verfehlt. Da das geringe Interesse an den Berichten in keinem Verhältnis zum Aufwand ihrer Erstellung steht, spricht sich der GDV für eine Verschlankung des SFCR aus. Dabei solle dieser adressatengerecht gestaltet werden, wofür eine Aufsplittung in einen kurzen Bericht für Versicherungsnehmer und einen quantitativen Zusatz für die Fachöffentlichkeit vorgeschlagen wird. Für eine Überprüfung und Neugestaltung der Berichterstattung hält es der GDV für unumgänglich, diese Themen in den Solvency II Review 2020 auf europäischer Ebene einzubeziehen. (Quelle GDV )

Austausch über die Solvency-II-Berichte

Falls Sie mit anderen Versicherern über Ihre Erfahrungen mit dem SFCR, RSR, den QRT oder dem ORSA-Bericht diskutieren möchten, würden wir uns sehr freuen, Sie am 24./25. September beim Erfahrungsaustausch „Berichterstattung und Offenlegung unter Solvency II“ begrüßen zu dürfen. Auch bei der Fachkonferenz „Finanzen und Risikomanagement“ am 2./3. Juli ist Solvency II ein Themenschwerpunkt. Seien Sie dabei!

Weitere Themen dieses Newsletters

Weitere Themen unseres Newsletters sind aktuell stattfindende User-Group-Treffen, Hinweise auf Fachkonferenzen sowie Nachrichten aus unserem Partner- und Wissenschaftsnetzwerk. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre und freuen uns über Ihre Rückmeldungen.

Ihr Team der Versicherungsforen Leipzig

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Ansprechpartner

Katharina Thiemann, Leiterin Pressearbeit
Bild von Katharina Thiemann

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