Pressemitteilung

Telematik in der Kraftfahrtversicherung – Entwicklungsperspektiven und Umsetzungsprojekte

[Leipzig, 1. März 2018] Ob automatischer Notruf im Schadenfall oder Prämienreduktion durch gute Fahrweise – Telematiktarife in der Kraftfahrtversicherung können den Kunden viele Vorteile bieten. Vor allem Leistungen und Services, die Versicherer den Kunden zusätzlich anbieten, machen die Produkte attraktiv. Wie diese den Kunden vermittelt werden können und welche aktuellen Entwicklungen es im Bereich der Kfz-Telematik gibt, diskutierten über 80 Teilnehmer am 27. und 28. Februar 2018 auf der nunmehr 8. Fachkonferenz „Telematik in der Kraftfahrtversicherung“ der Versicherungsforen Leipzig.

Seit Jahren wird über die Potenziale von Telematik sowie über das autonome Fahren und die Folgen für die Versicherungsbranche diskutiert und spekuliert. Fakt ist, die Entwicklungen im Telekommunikations- und Automobilbereich schreiten schier unaufhaltsam voran und die Kfz-Versicherungsbranche muss schritthalten, um nicht von anderen Marktteilnehmern überholt zu werden. 15 Versicherer haben mittlerweile auf telematischen Diensten beruhende Produkte bzw. Services im Angebot. Die Telematik wächst als in Deutschland langsam aber sicher aus der Nische. Nicht zuletzt die Angebote der beiden Brancheprimusse Allianz und HUK Coburg, deren Anzahl an Telematikkunden mittlerweile im mittleren fünfstelligen Bereich liegen, befeuern diese Einschätzung. Dass das Thema zwar im Markt angekommen ist, jedoch noch großer Diskussionsbedarf besteht, zeigte einmal mehr die Fachkonferenz „Telematik in der Kraftfahrtversicherung“.

Konkrete Einblicke in produktive Tarife gaben Stefan Duscha (Allianz) sowie Axel Bischof und Thomas Folwarczny (beide Württembergische Versicherung). Im Tarif BonusDrive der Allianz können Kunden mittels eines Gamification-Ansatzes Medaillen und Punkte für gutes Fahren erreichen und so ihre Prämien reduzieren. In den ersten Monaten konnte bei den Fahrern bereits eine deutliche Verbesserung des Fahrverhaltens beobachtet werden. Die Allianz sieht BonusDrive zudem als Mittel, die Interaktionsraten mit ihren Kunden zu steigern. Duscha betonte jedoch, dass das Kundeninteresse nur gehalten werden kann, wenn Telematikangebote immer wieder mit neuen Services angereichert werden, die für die Kunden Mehrwerte bieten. Bei der Württembergischen Versicherung setzt man hingegen auf eine App-only-Lösung, bei der vor allem die Nicht-Nutzung des Smartphones während der Fahrt belohnt wird. Anders als bei vielen anderen Tarifen können die Nutzer hier keine Prämienrückzahlungen erreichen, sondern ihre Schadenfreiheitsklasse senken. Telematik sieht man insgesamt als strategisches Thema, das den Know-how-Aufbau und das Austesten neuer Geschäftsmodelle ermöglicht. Langfristig will man aus den Daten lernen, um noch attraktivere Produkte und Services anbieten zu können.

Einen Blick über den deutschen Tellerrand bot der Vortrag von Volker Hoja von VAB NV, dem belgischen Automobilclub. Aufgrund der zentralen Lage zwischen Deutschland, Frankreich und den Niederlanden gibt es in Belgien ein hohes Verkehrsaufkommen. Zudem hat Belgien einen großen Flottenmarkt, da Firmenwagen ein beliebtes Incentive sind, und die Kfz-Versicherungsprämien sind insgesamt recht niedrig. Um Telematik für die Kunden attraktiv zu machen, setzt man auch hier als Anreiz auf zusätzliche Services. Die Fahrdaten werden so z. B. genutzt, um Trainingsprogramme für sicheres Fahren anzubieten. Vor allem im Flottengeschäft bei Risikogruppen wie Taxi- und Kurierbetrieben oder dem Außendienst ist dies sinnvoll.

Einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen rund um den eCall gab Steve Schneider (ITS mobility GmbH). Nach all dem Hin und Her rund um die europaweite Einführung habe man die ursprüngliche Motivation für den eCall, die Verringerung von Rettungszeiten, Verkehrstoten und schweren Schäden, ein bisschen aus den Augen verloren, so Schneider. Mit der EU-Vorgabe für Rettungsleitstellen und Kfz-Hersteller bis zum Oktober 2017 bzw. April 2018 eCall-fähig zu sein, hat das Thema nun wieder Aktualität gewonnen. Offene Fragen, die sich als nächstes stellen, sind eCall für LKWs, Fernbusse und Motorräder. Hier gibt es noch keine europäischen Vorgaben und die Übertragung des eCalls für PKWs auf andere Verkehrsmittel gestaltet sich schwierig. Zudem gilt es, den eCall demnächst auf eine „neue Generation“ zu heben. Die Überführung von ISDN- auf IP-Netzwerke stellt dabei eine große Herausforderung dar. Für Versicherer interessant sind TPS (Third Party Services)-eCalls, bei denen bspw. der Rufknopf im Fahrzeug nicht an Rettungsleitstellen, sondern Call Center von Kfz-Herstellern oder Versicherungen geleitet wird. Hier ist noch zu klären, wie „echte“ Notfälle von dort an die Notrufnummern weitergeleitet werden. Es gilt daher zeitnah, Standards zu schaffen und zu implementieren.

Auch der wissenschaftliche Blick kam bei der Konferenz nicht zu kurz. Susanne Adler und Ellen Borrmann (Hochschule Harz – Hochschule für angewandte Wissenschaften) präsentierten Auszüge einer Studie zu Wahrnehmung und Attraktivität von Telematik aus Sicht des Versicherungsnehmers. Im Ergebnis wurde herausgefunden, dass generelle Ablehner des Konzepts sich auch nicht von den Vorteilen der Telematik überzeugen lassen können. Zu groß sind Vorbehalte bzgl. Datenmissbrauch und potenzieller „Überwachung“. Wer Telematik jedoch generell offen gegenüber steht, dem fehlen meist Informationen. Für Versicherer gilt es also, in Vertrieb und Marketing weiter Aufklärungsarbeit zu leisten.

Zum Thema Unfall forscht auch das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI. Anhand von Unfalldaten der Bundesländer können für jede Route bestimmte Risikowahrscheinlichkeiten bestimmt werden. Dr. Christian T. Erbsmehl stellte das Modell vor und zeigte, wie sich diese Risikowahrscheinlichkeiten auf Basis von Schadenkosten auch mit Geldwerten hinterlegen lassen. Dass sich solche Daten momentan natürlich noch nicht zur Berechnung von Versicherungstarifen heranziehen lassen, ist klar, jedoch zeigt der Ansatz, was im Bereich Telematik zukünftig noch möglich sein kann.

Weitere Vorträge auf der zweitägigen Konferenz kamen aus den Häusern der Munich Re, Dolphin Technologies gemeinsam mit Uniqa Österreich Versicherungen, Pace Telematics sowie der Robert Bosch GmbH. In einem „Open Space“ hatten die Teilnehmer zudem die Möglichkeit, noch einmal zu selbstgewählten Themen in den Diskurs zu treten und sich mit den Kollegen aus den anderen Häusern über die aktuellen Fragestellungen auszutauschen.

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