Pressemitteilung

Fokustag Cyber-Versicherung: Neues Produktsegment steht allerhand Hürden gegenüber

[Leipzig, 29. Januar 2018] Mit der stetigen Vernetzung und fortschreitenden Digitalisierung im Zusammenhang mit Industrie 4.0 bzw. Internet of Things wächst auch die Gefahr von Cyber-Risiken und Cyber-Kriminalität. Das Thema beschäftigt seit geraumer Zeit auch die Assekuranz. Aus diesem Grund haben die Versicherungsforen Leipzig am 24. und 25. Januar erstmalig den Fokustag Cyber-Versicherungen veranstaltet, auf dem mehr als 70 Experten der Branche die aktuellen Fragestellungen rund um die Cyber-Versicherung diskutierten.

Cyber-Kriminalität kann für die Betroffenen nicht nur zu hohen Sach-, sondern auch zu enormen Vermögens- und Reputationsschäden führen. Zwar ist das Angebot an entsprechenden Versicherungslösungen am Markt noch gering, dennoch ist der Bedarf groß, sich gegen das Gefahrenpotential aus dem Netz zu schützen. Aktuell gibt es bei den Versicherern noch große Unsicherheiten, wie Cyber-Versicherungen beispielsweise gestaltet sein müssen, um den Bedürfnissen des Marktes zu entsprechen und wie Versicherer die für diese Produkte nötige Risikoprüfungs- und Schadenmanagementexpertise aufbauen bzw. die hierfür nötigen Prozesse etablieren können. Auf dem Fokustag ging es dementsprechend neben der Vorstellung von bereits bestehenden Produktangeboten auch um Fragen rund um die Tarifkalkulation und die Versicherungsbedingungen.

Zu Beginn der Veranstaltung drehte sich jedoch alles um den Kunden. Damit die teilnehmenden Versicherer einen Eindruck von dem Ausmaß eines Cyber-Angriffs auf ein mittelständisches Unternehmen bekamen, berichtete Bernhard Rothenberger, ehemaliger geschäftsführender Gesellschafter des Auerbachs Keller, davon, wie sein Restaurant von Hackern attackiert wurde und welche Auswirkungen und Konsequenzen dies für das Unternehmen hatte. Deutlich wurde hierbei, dass sich die Kunden in einem solchen Fall einen kompetenten Partner wünschen, der mit Rat und Tat zur Seite steht. Unternehmen sind weder darauf vorbereitet, noch wissen sie in der Regel, was bei einem Cyber-Vorfall auf sie zukommt und was genau zu tun ist. Der Wunsch nach Assistance-Leistungen seitens der Versicherer neben der eigentlichen Kostendeckung des Schadens wurde hier deutlich. Um das Risikoempfinden der Teilnehmer zu schärfen, führte zudem Sebastian Schreiber (SySS GmbH) während des Fokustags einen Live-Hack vor. Der Spezialist für IT-Penetrationstests zeigte eindrucksvoll zehn verschiedene Arten, digitale Endgeräte zu manipulieren und Schaden anzurichten.

Cyber-Versicherungsprodukte, die bereits auf dem Markt sind, wurden von der Axa und der Allianz vorgestellt. Dirk Kalinowski (Axa Versicherung) stellte „Byte Protect“, eine Cyber-Versicherung für Gewerbekunden vor. Dabei stellte er noch einmal heraus, welche Gefahren einem Unternehmen im Fall eines Cyber-Angriffs drohen (Reputationsschäden, Betriebsunterbrechungskosten usw.) und betonte, dass gerade kleinere Unternehmen die Kosten, die sie erwarten, nicht einschätzen können. Beim Vertrieb der Cyber-Versicherung ist daher die mangelnde Risikoidentifikation der Kunden eine große Hürde. Dr. Christian A. Czernik (Allianz Versicherung) blickte auf das Thema Cyber-Angriff aus Privatkundensicht. Mit dem „InternetSchutz“ hat die Allianz innerhalb der Hausratversicherung einen Baustein geschaffen, um Privatkunden vor Kriminalität im Internet zu schützen. Hier sind die gängigsten Schadenfälle (Identitätsdisbstahl, Phishing usw.) den meisten Kunden bereits bekannt und lassen sich gut vermitteln. Auf Versichererseite muss daher vor allem kalkuliert werden, wie sich die einzelnen Risiken in eine bestehende Versicherung eintarifieren lasen.

Einen tieferen Einblick in die Kalkulation von Cyber-Versicherungen gaben auch Stefan Schmuttermair (E+S Rück) und Thomas Budzyn (Meyerthole Siems Kohlruss), die aktuell dabei sind, für E+S Zedenten ein Cyberprodukt für den Gewerbekundenmarkt zu entwickeln. Da im Bereich Cyber-Versicherung bisher noch wenig Schadendaten für eine valide Tarifkalkulation vorhanden sind, ist es Ziel des gemeinsamen Projekts, einen Datenpool aufzusetzen, in dem Schadendaten verschiedener Versicherer aggregiert und ausgewertet werden. So können Kalkulationen überprüft und gegebenenfalls anhand der vorhandenen Daten korrigiert werden.

Die aktuelle Vielfalt der angebotenen Cyber-Versicherungen führte Leonard Wolf, Leiter Cyber-Versicherung bei Franke und Bornberg vor Augen. In den durch das Analyseunternehmen untersuchten 30 Bedingungswerken finden sich über einhundert Unterscheidungskriterien, welche für Kunden, Vermittler und Versicherer gleichermaßen Abschlussrelevant sein können. Nur bei gut zwei Drittel der Merkmale ist eine Tendenz zu einer ähnlichen Formulierung erkennbar, auch wenn es noch zu früh ist, hier von Standards zu sprechen. Gerade bei den cyber-relevanten Kriterien wie den versicherten IT-Systemen oder technischen Sicherungsanforderungen herrscht noch „Wilder Westen“.

In einem World Café hatten die Teilnehmer während des Fokustages zudem die Möglichkeit, zu den Themen Schadenmanagement, Risikomanagement, Kooperationen und Zukunft der Cyber-Versicherung noch einmal in den Diskurs zu treten.

Insgesamt haben sich während der Veranstaltung einige Diskussionspunkte gezeigt, die die Versicherer rund um das Thema Cyber-Versicherungen momentan noch umtreiben. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Branche aktuell noch einen Lernprozess durchläuft. Dies bezieht sich nicht nur auf die Kalkulation der Tarife, den Vertrieb und die Schadenbearbeitung. Vor allem im Bereich Kooperationen gibt es noch einige Fragen zu klären, beispielsweise an welchen Stellen man auf externe Partner setzt, wo man inhouse Know-how aufbauen kann bzw. muss und wie die Versicherer untereinander von den gegenseitigen Erfahrungen profitieren können. Auf Seiten der Kunden muss – vor allem im Gewerbebereich – das Risikobewusstsein geschärft werden, damit Cyber-Policen in der Breite angenommen werden. Trotz der vielen Herausforderungen, denen die Versicherer im Bereich der Cyber-Versicherungen gegenüberstehen, hat sich gezeigt, dass das Thema großes Potenzial hat. In den nächsten Jahren wird sich herausstellen, ob auch die Kunden dies erkennen und dem Produkt zum Markterfolg verhelfen.

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