Sustainable Finance – Chancen für die Kommunikation und die Kundenbindung

Nachhaltigkeit ist in der Bevölkerung immer stärker verankert. Bei diesem Thema sollte es Ziel der Versicherungsbranche sein (neben der Erfüllung der regulatorischen Anforderungen), ihre Kunden darüber aufzuklären, welche Rolle der Assekuranz dabei zukommt und welchen Effekt der Kauf eines nachhaltigen Versicherungsprodukts hat. Aber wie sehen das die Kunden? Und wie funktioniert eine effiziente Nachhaltigkeitsberichterstattung?

Typ:
Artikel
Rubrik:
Finanzen & Risiko
Themen:
Nachhaltigkeit Recht EU-Gesetzgebung ESG
Sustainable Finance – Chancen für die Kommunikation und die Kundenbindung

Nachhaltigkeit ist nichts Neues, denn verantwortungsvolles Unternehmertum gibt es schon immer. Es steht auch nicht nebeneinander, sondern ist und soll noch bewusster miteinander verschmolzen werden.

Sustainable Finance – als EU-weiter Plan und Maßnahmenbündel zur Umsetzung der Zielsetzungen des Pariser Abkommens – hat die Zielsetzung, die Finanzwirtschaft zur Transformation zu einem nachhaltigeren Wirtschaften, der Anpassung und letztlich zur Verringerung der Auswirkung des Klimawandels zu befähigen. In diesem Zusammenhang sind auch Themen wie die verstärkte Digitalisierung, Kundenorientierung, Service oder die Zusammenarbeit mit Maklern und Vertriebspartnern wesentlich.

Diese Zielsetzung verfolgend und um die Transformation zu beschleunigen, sollen regulatorische Maßnahmen zu mehr Transparenz und einer Verstärkung des Austausches zwischen Real- und Finanzwirtschaft führen, um so Optionen, Sektoren, Investitionsmöglichkeiten im Sinne von Transformationspfaden zu evaluieren, die ein nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen.

Am 10. März 2021 trat im Rahmen dessen die Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor in Kraft. Aus dieser ergeben sich sowohl organisatorische als auch produktbezogene Anforderungen für Versicherungsunternehmen. Sie müssen auf ihren Websites darüber informieren, ob und wie Nachhaltigkeitsrisiken bei Investitionsentscheidungen und in der Vergütungspolitik berücksichtigt werden und auch wie negative Auswirkungen von Anlageentscheidungen auf die ESG-Faktoren identifiziert und gemanagt werden. In Bezug auf die Produktinformationen sind bspw. in den Prospekten entsprechende Informationen zu den Nachhaltigkeitsrisiken und den Auswirkungen auf die Rendite des Produktes zu geben.

Eng verknüpft mit diesem umfassenden Rahmenwerk für Offenlegungspflichten von Nachhaltigkeitsaspekten wird es künftig verpflichtend sein, im Rahmen der Kundenberatung auch die Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden zu erfragen und entsprechend ein passendes Angebot zu unterbreiten. Erwartet wird dafür noch eine Anpassung der IDD-Richtlinie. Zudem wird derzeit an der Überarbeitung der CSR-Richtlinie gearbeitet, die dann im Einklang mit den Sustainable Finance Regularien im kommenden Jahr veröffentlicht wird.

Neben der reinen Erfüllung der regulatorischen Anforderungen sollte es aber auch Zielsetzung der Branche sein, die Kunden als wohl wichtigste Stakeholder-Gruppe eines Versicherers darüber aufzuklären, welche Rolle der Versicherungswirtschaft insgesamt dabei zukommt und welchen Effekt der Kauf eines nachhaltigen Versicherungsprodukts hat. Denn gesellschaftlich ist Nachhaltigkeit auch ein sich, in der Lebensweise der Bevölkerung, immer mehr verankerndes Thema und entsprechend ist es auch im Konsum wichtiger denn je. Aber wie sehen das die Kunden der Versicherer?

Kunden wollen nachhaltige Produkte, verstehen aber die Rolle der Versicherungswirtschaft nicht

Im Zuge einer deutschlandweiten Kundenbefragung mit 517 Teilnehmern (anlässlich einer gemeinsam mit dem CSR-Beratungsunternehmen :response und zehn Versicherern aus Deutschland durchgeführten Wesentlichkeitsanalyse)1 wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit im persönlichen Konsum und auch in der eigenen Lebensweise wichtig ist, und das unabhängig von der Altersgruppe oder dem persönlichen Einkommen.

Bei der Abfrage zur Wichtigkeit von Nachhaltigkeit in Versicherungsprodukten (Mittelwert 3,4; Skala 1 = unwichtig, 5 = sehr wichtig) oder des Beitrags der Versicherungswirtschaft zu nachhaltiger Wirtschaft (Mittelwert 3,1; Skala 1 = unwichtig, 5 = sehr wichtig) bestand weniger Eindeutigkeit. Interpretieren lässt sich dies mit der fehlenden Verknüpfung von Nachhaltigkeit und Versicherungskontext.

Die Branche ist sich einig, dass in Bezug auf Nachhaltigkeit viel Erklärungsbedarf notwendig ist. Um in der Kommunikation alle Aspekte zu berücksichtigen, die für die Transformation notwendig sind, muss der Versicherer als Investor, als Unternehmensbetrieb und natürlich als Anbieter von Versicherungsprodukten unter der Einhaltung entsprechender Zeichnungsrichtlinien nachhaltig sein.

Der Vertrieb muss mitgenommen werden

Auch in der Zusammenarbeit mit den Vertriebspartnern ist Aufklärungsarbeit zu leisten, Produkte und Zielsetzungen des Unternehmens zu erklären, Material zur Verfügung zu stellen, um damit „Übersetzungsfehler“ zu vermeiden. Da auch die Vergütungspolitik im Fokus der Offenlegungspflichten steht, ist ggf. auch diesbezüglich eine Veränderung zur Verankerung von Nachhaltigkeitsaspekten notwendig.

Die aktuelle Situation rund um Covid-19 ließ den Nachhaltigkeitsgedanken gesellschaftlich wieder ein wenig in den Hintergrund geraten, nicht aber im Hinblick auf die Umsetzung von Sustainable Finance. Gerade der Umgang der Finanzbranche mit Krisensituationen wie dieser bieten der Branche eine große Chance, den Kunden deren Unsicherheiten zu nehmen, Nähe zu zeigen und mit Informationen rund um die Stabilität der Branche zu versorgen. Leider hat die Branche dies bisher nicht genutzt, die Not zur Tugend zu machen. Eher noch hat die Debatte rund um die Betriebsschließungsversicherung das Vertrauensverhältnis strapaziert.

Deshalb heißt es spätestens jetzt, transparent auf die Kunden und andere Stakeholder zuzugehen und zu zeigen, welche Zielsetzung und Strategie verfolgt wird, wie Produkte dies umsetzen und welchen großen Beitrag die Branche zum Pariser Klimaabkommen zu leisten vermag.

Branchenleitfaden für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Versicherungsunternehmen

Die Offenlegungsverpflichtungen werden deutlich umfangreicher und die Anforderungen konkreter. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung kann ein Branchenleitfaden als Orientierungshilfe die Versicherungsunternehmen unterstützen, die eigene Nachhaltigkeitsstrategie weiterzuentwickeln und Berichterstattung effizient umzusetzen. Im März 2021 haben wir dafür mit der Erarbeitung eines Branchenleitfadens begonnen und freuen uns auf weitere Beteiligung aus der Versicherungswirtschaft. Weitere Informationen sind erhältlich unter: www.versicherungsforen.net/nachhaltigkeit_branchenleitfaden

 

1 Quelle: :response, Versicherungsforen, zehn Versicherer (2020): Ergebnisse der Kundenbefragung "Wesentliche Themen für eine nachhaltige Versicherungswirtschaft" im Rahmen der Werkstatt "Gemeinsame Wesentlichkeitsanalyse", weitere Informationen zur Werkstatt: www.versicherungsforen.net/ws-nachhaltigkeit