Messekongress Schadenmanagement & Assistance 2026: KI, Schadenprävention und Kundeninteraktion

Der Beitrag bietet einen einführenden Rückblick auf den „Messekongress Schadenmanagement & Assistance“ 2026. In den nächsten Wochen folgen vertiefende Einblicke in die Themen der Fachforen „Technologie & Transformation“, „Claims Handling“ sowie „Assistance & Cooperation“.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Schaden & Leistung
Themen:
Schadenmanagement
Messekongress Schadenmanagement & Assistance 2026: KI, Schadenprävention und Kundeninteraktion

Lesezeit: 5 Minuten

Beim Messekongress Schadenmanagement & Assistance 2026 in Leipzig diskutierten 1.500 Teilnehmende mit 80 Speakern und 99 Ausstellern über die Zukunft des Schadenmanagements. Im Fokus standen KI in der Kundeninteraktion, Schadenprävention, Automatisierung, persönliche Betreuung im Schadenfall und neue Start-up-Lösungen für Versicherer.

In unserem Beitrag geben wir einen Einblick in die Impulse und Themen der Veranstaltung. 

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

  • KI entwickelt sich im Schadenmanagement zur strategischen Stütze – insbesondere in der Kundeninteraktion, Prozesssteuerung und Automatisierung.
  • Schadenprävention gewinnt weiter an Bedeutung, vor allem mit Blick auf steigende Schäden durch Leitungswasser und Naturereignisse.
  • Kundinnen und Kunden erwarten im Schadenfall nicht nur Schnelligkeit, sondern vor allem eine angemessene Entschädigung und persönliche Ansprechpartner.
  • Versicherer treiben die Automatisierung voran, stoßen dabei aber auf Grenzen bei Akzeptanz, Vertrauen und dem Wunsch nach menschlicher Entscheidungshoheit.
  • Prozesse werden zum zentralen Differenzierungsmerkmal im Schadenmanagement – neben Fachlichkeit zählen zunehmend Effizienz, Schnelligkeit und technologische Reife.
  • Neue Partnerschaften und Start-up-Lösungen liefern wichtige Impulse für die Zukunft des Schadenmanagements – von KI-gestützter Schadenbearbeitung bis hin zu digitaler Konfliktlösung und Prävention.

Schadenmanagement 2026: KI als strategische Stütze in der Kundeninteraktion und mehr Fokus auf Schadenprävention 

Thomas Jacobi, Fynn Monshausen und Dr. Markus Juppe setzten mit ihren Keynotes den perfekten fachlichen Rahmen zu den Themenschwerpunkten des zweitägigen Fachprogramms. Zentrale Themen der drei Keynotes: KI und Schadenprävention.  

„Der Kontakt Mensch zu Mensch wird immer bleiben – aber eben verkürzt im Vergleich zu heute.“ – Thomas Jacobi (Signal Iduna Gruppe // ADLER Versicherung AG & PVAG Polizeiversicherungs-AG)  

Thomas Jacobi (Bereichsleiter Schaden Komposit // Mitglied des Vorstandes, Signal Iduna Gruppe // ADLER Versicherung AG & PVAG Polizeiversicherungs-AG) skizziert ein Ökosystem unter dem Motto „der Kunde diktiert, die KI reguliert und die Versicherung orchestriert“. Während Versicherer als zentrale Orchestratoren steuern und IT-Unternehmen die digitale Architektur bereitstellen, agieren Dienstleister weiterhin an der Kundenschnittstelle – mit einem Unterschied: Die Arbeit wird transparenter, Daten müssen deutlich mehr geteilt werden und Belegprüfungen fallen weg. 

Fynn Monshausen (Bereichsleiter Digitalvertrieb und -Service bei BarmeniaGothaer // Geschäftsführer Gothaer Digital GmbH) skizzierte u. a. in seiner Keynote zwei strategische Stoßrichtungen als Reaktion auf das veränderte Such- und Kommunikationsverhalten der Kundinnen und Kunden durch GenAI: Eine Option ist die Integration in Dritt-Ökosysteme (z. B. ChatGPT, TikTok). Eine zweite Möglichkeit seien eigene Apps und Anwendungen, die den direkten Zugang zu den Kundinnen und Kunden für personalisierte Dashboards und Kundenansprache ermöglichen.  

„Die Statistik ist eindeutig. Schäden nehmen signifikant zu.“ – Dr. Markus Juppe (Versicherungskammer Bayern) 

Dr. Markus Juppe (Mitglied des Vorstands, Versicherungskammer Bayern) lenkt mit seiner Keynote thematisch den Schwerpunkt auf konkrete Schadenpräventionsszenarien bei Leitungswasser- und Elementarschäden an Wohngebäuden. Angesichts rasant steigender Kosten durch Leitungswasser und Naturereignisse fordert er präzisere Tarife, die individuelle Bauweisen stärker berücksichtigen. Zudem sieht er die Politik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen für einen flächendeckenden und bezahlbaren Elementarschadenschutz zu schaffen. 

Schadenmanagement 2026: Was Kundinnen und Kunden im Schadenfall wirklich erwarten

Eine aktuelle Doppelbefragung der Versicherungsforen Leipzig macht eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Fokus der Versicherer und den Erwartungen der Kundinnen und Kunden im Schadenfall sichtbar. Während Versicherer davon ausgehen, dass für ein positives Kundenerlebnis vor allem die Regulierungsgeschwindigkeit (29 Prozent) und digitale Einreichungswege (26 Prozent) entscheidend sind, priorisieren Kundinnen und Kunden andere Aspekte: Für sie stehen die Höhe der Entschädigung sowie ein fester persönlicher Ansprechpartner mit jeweils 25 Prozent an erster Stelle; digitale Wege folgen erst mit 23 Prozent. 

Auch beim Thema Automatisierung zeigt die Studie ein differenziertes Bild. Aktuell liegt der Automatisierungsgrad bei Standardschäden bei 60 Prozent der befragten Versicherer noch zwischen 10 und 30 Prozent. Gleichzeitig planen 58 Prozent der befragten Unternehmen, diesen Anteil bis 2030 auf 50 bis 100 Prozent zu steigern. Beim Einsatz von künstlicher Intelligenz sehen 71 Prozent der Versicherer den größten Mehrwert in der automatisierten Dunkelverarbeitung von Kleinschäden. Auf Kundenseite bleibt die Akzeptanz jedoch begrenzt: 26 Prozent lehnen rein digitale Prozesse im Schadenfall grundsätzlich ab, bei den über 65-Jährigen sind es sogar 45 Prozent. Zudem möchten 59 Prozent der Kundinnen und Kunden das finale Okay bei einer Schadenmeldung nicht einer KI überlassen. Die Ergebnisse machen deutlich, dass ein zukunftsfähiges Schadenmanagement nicht allein auf Geschwindigkeit und Automatisierung setzen sollte, sondern digitale Effizienz mit persönlicher Betreuung und finanzieller Sicherheit verbinden muss. 

Wer mehr erfahren möchte, findet weitere Informationen zu „Schadenmanagement 2026 - Endkunden- und Branchenbefragung" auf der Studienseite. 

Zur Doppelbefragung  

Aktuelle Herausforderungen im Schadenmanagement: Gen AI, Prozesse als neues Differenzierungskriterium und Schadeninflation 

Auch in der Abschlussdiskussion am zweiten Messetag wurden Herausforderungen und Anpassungsstrategien im Bereich des Schadenmanagements thematisiert. Konkret ging es um einen fachlichen Ausblick auf das Schadenjahr 2026 sowie um Einflussfaktoren wie künstliche Intelligenz (KI), geopolitische Risiken und veränderte Kundenbedürfnisse. An der Diskussionsrunde nahmen vier Expertinnen und Experten teil:  

  • Dr. Stefanie van den Bergh (Allianz Versicherungs-AG // AZT Automotive & Allianz Rechtsschutz Service GmbH) 
  • Thomas Jacobi (Signal Iduna Gruppe // ADLER Versicherung AG & PVAG Polizeiversicherungs-AG) 
  • Friedrich von Wrede (VHV solutions GmbH)  
  • Jens Ringel (Versicherungsforen Leipzig GmbH).  
Diskussionsrunde MKS 2026

„Ich habe die Lösung schon halb ausgeliefert und gleichzeitig gibt es schon wieder etwas Neues, Besseres am Markt.“ – Friedrich von Wrede (VHV solutions GmbH) 

Im Fokus der Expertenrunde standen die rasanten technologischen Entwicklungen durch KI. Diese schaffen sowohl effiziente Lösungen als auch neue Herausforderungen in den Bereichen Kundeninteraktion und Betrugsprävention.  

Zudem wurden Prozesse als neues Differenzierungsmerkmal diskutiert: So zeichnet sich in der strategischen Ausrichtung ein Wandel weg von Fachlichkeit hin zu Effizienz und Schnelligkeit ab. 

 
„Ich sehe einen Schwenk von Fachlichkeit hin zur prozessgetriebenen Sicht. Qualität ist kein Differenzierungsmerkmal mehr, es sind die Prozesse“, so Friedrich von Wrede.  

Die Diskussion machte deutlich, dass die Schadeninflation ein dauerhaftes Thema bleiben wird. Thomas Jacobi sieht darin eine der größten künftigen Herausforderungen, die durch instabile Lieferketten und Preissteigerungen im Dienstleistungssektor noch verstärkt wird.  

„Auch Lieferketten treiben die Preise. Das Risiko permanenter Preissteigerungen, auch im Dienstleistungssektor, ist real. Hier müssen wir uns genau ansehen, mit wem wir zusammenarbeiten“, so Jacobi. 

Trotz belastender Faktoren wie der anhaltenden Schadeninflation und instabiler Lieferketten blicken die Expertinnen und Experten erwartungsvoll auf das Jahr 2026: Neue Ansätze durch mutige Partnerschaften, optimierte Prozesse und ein neuer technologischer Reifegrad, über den man in 2027 diskutieren kann. 

Future Skills im Schadenmanagement: Automatisierte Prozesse und menschliche Expertise

Technologische und kulturelle Herausforderungen bringen auch Lösungen mit sich. Eine dieser Lösungen ist das „Future-Skills-Tool“. Janice Rockstroh und Kai Wedekind von den Versicherungsforen Leipzig analysierten unter dem Motto „Claim the Future: vom Abarbeiten zum Entscheiden – das Skillset der nahen Zukunft im Schaden live erleben“ den Wandel der Rollenprofile. Trotz technologischer Entwicklungen und automatisierter Prozesse bleibt menschliche Expertise besonders bei komplexen Fällen und individuellen Ermessensentscheidungen gefragt. Die beiden Experten zeigten, wie sich mithilfe des „Future-Skill-Tools“ individuelle Entwicklungs-Roadmaps erstellen lassen. Mitarbeitende können so mithilfe von kurzen Impulsen oder langfristigen Vertiefungsprogrammen individuelle Kompetenzlücken schließen. 

Start-up-Lösungen für das Schadenmanagement 

Ein Ergebnis der Abschlussdiskussion war, dass den Herausforderungen im Schadenmanagement mit neuen Ansätzen und mutigen Partnerschaften entgegengetreten werden sollte. Gerade die Zusammenarbeit mit Start-ups kann hierbei zielführend sein. Im Rahmen des Claims Rockstar Awards haben sich auch dieses Jahr wieder vier Start-ups dem Fachpublikum präsentiert. Am Ende durfte das Publikum abstimmen, welche Idee sie besonders überzeugend fanden. In diesem Jahr holte sich Suitcase den ersten Platz. Die Idee des Unternehmens: Durch die digitale Beilegung von Streitigkeiten und Regressforderungen sollen langwierige Prozesse auf wenige Wochen beschleunigt und somit eine hocheffiziente Konfliktlösung ermöglicht werden.  
 
Die Start-up-Lösungen im Überblick: 

  • Inca Solutions GmbH verfolgt einen „KI-first“-Ansatz mit KI-Agenten zur automatisierten Schadenbearbeitung, um die Schadenkostenquote ohne tiefgreifende IT-Integration oder aufwändiges Change-Management effizient zu senken. 
  • Vectoryx fungiert als digitaler KI-Projektmanager, der durch die Ende-zu-Ende-Automatisierung der Schadenaufnahme und Stakeholder-Koordination den operativen Aufwand bei Gebäudeschäden massiv reduziert. 
  • 7Analytics nutzt hochauflösende Geodaten und ein 72-Stunden-Frühwarnsystem, um die Flutanfälligkeit auf Gebäudeebene präzise zu bewerten und wirksame Prävention zu ermöglichen. 

Auch in diesem Jahr möchten wir uns bei allen Teilnehmenden des Messekongresses Schadenmanagement & Assistance für die spannenden Impulse, den Austausch und die Diskussionen bedanken. Wer im nächsten Jahr wieder dabei sein und gemeinsam auf das Schadenjahr 2027 blicken möchte, kann sich den 20. und 21. April 2027 vormerken. Wir freuen uns schon jetzt auf die Jubiläumsausgabe, die mit Sicherheit die ein oder andere Überraschung bereithält.  

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