Interview: Schadenprävention bei Leitungswasser- und Elementarschäden in der Wohngebäudeversicherung

Im Interview spricht VKB-Vorstand Dr. Markus Juppe über Schadenprävention bei Leitungswasser- und Elementarschäden an Wohngebäuden.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Schaden & Leistung
Themen:
Sachversicherung Schaden-/Leistungsmanagement
Interview: Schadenprävention bei Leitungswasser- und Elementarschäden in der Wohngebäudeversicherung

Wie lassen sich Leitungswasserschäden und Elementarschäden in der Wohngebäudeversicherung wirksam reduzieren? Im Vorfeld des Messekongresses Schadenmanagement & Assistance 2026 gibt Dr. Markus Juppe, Mitglied des Vorstands der Versicherungskammer Bayern (VKB), einen Einblick in die zentralen Herausforderungen und Lösungsansätze der Schadenprävention. Im Interview spricht er über die Folgen von Extremwetter, steigenden Bau- und Reparaturkosten sowie über den hohen Schadenaufwand durch Leitungswasser. Zudem zeigt er, welche Rolle digitale Leckageerkennung, bauliche Schutzmaßnahmen und präventionsorientierte Anreize künftig für Versicherer und Kunden spielen. Das Interview macht deutlich, warum Schadenprävention zu einem strategischen Erfolgsfaktor in der Wohngebäudeversicherung wird.

Herr Dr. Juppe, welche Faktoren sind aus Ihrer Sicht aktuell die maßgeblichen Treiber beim Schaden im Wohngebäudesektor?

Aus meiner Sicht sind derzeit vor allem drei Faktoren maßgebliche Treiber für die Entwicklung der Schadenhäufigkeit und der durchschnittlichen Schadenhöhen im Wohngebäudesektor.

Zum einen beobachten wir eine zunehmende Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen, insbesondere Starkregen und Stürmen, die sowohl die Zahl als auch das Ausmaß der Schäden an Wohngebäuden signifikant beeinflussen.

Zum anderen führen die aktuell stark steigenden Kosten im Bau- und Handwerksbereich dazu, dass die Wiederherstellung beschädigter Gebäude mit deutlich höheren finanziellen Aufwendungen verbunden ist, was unmittelbar zu höheren durchschnittlichen Schadenhöhen führt.

Als dritten wichtigen Faktor sehe ich die Leitungswasserschäden, die nach wie vor eine der häufigsten Schadenarten darstellen. Insbesondere in älteren Gebäuden, die häufig einen Sanierungsstau aufweisen, tritt diese Schadenart vermehrt auf und trägt wesentlich zur Schadenhäufigkeit und -höhe bei. Hinzu kommt, dass Reparaturen heute durch strengere Bauvorschriften und komplexere Haustechnik deutlich aufwändiger und damit teurer geworden sind, was kontinuierlich steigende Schadenaufwände zur Folge hat.

Inwiefern markiert Ihre Partnerschaft mit SURU und der Einsatz von Leckerkennungs-Sensorik eine Weiterentwicklung für das Geschäftsmodell der VKB – weg vom reinen Schadenregulierer hin zum aktiven Risikomanager?

Die seit den letzten Jahren stark ansteigenden Schadenkosten, wie beispielsweise durch höhere Materialkosten oder Stundenlöhne, können wir nur bedingt beeinflussen. Mit den Leckageschutz-Lösungen von SURU erreichen wir aber, dass bestimmte Schäden von vornherein gering gehalten oder gar verhindert werden. Damit können wir unsere Risiken besser steuern und bieten unseren Kunden einen echten Mehrwert. Sollte dennoch etwas passieren, sind wir wie gewohnt als „Kümmerer“ für unsere Kunden da.

Trotz technischer Innovationen bleibt die bauliche Sicherung, etwa durch Rückstauklappen, oft ein vernachlässigtes Thema. Wie wollen Sie die notwendige Akzeptanz für diese physischen Schutzmaßnahmen bei den Versicherungsnehmern erhöhen?

Zum einen möchten wir durch gezielte Informations- und Aufklärungskampagnen – insbesondere auch im Rahmen von Beratungsgesprächen – die Bedeutung und den Nutzen dieser Maßnahmen hervorheben. Dabei betonen wir insbesondere die langfristigen Vorteile für den Gebäudeschutz sowie die Reduzierung persönlicher Belastungen im Schadenfall. Zum anderen prüfen wir, wie bauliche Schutzvorrichtungen stärker in unsere Versicherungsbedingungen integriert werden können.

Ein weiterer Aspekt ist die vertrauensvolle Ansprache unserer Kunden im Schadenfall: Wir erläutern dann individuell, wie bauliche Schutzmaßnahmen dabei helfen können, zukünftige Schäden zu vermeiden und begleiten gegebenenfalls die Nachrüstung.

Unser Ziel ist es, durch Transparenz, Beratung und attraktive Anreize die Akzeptanz und Umsetzung dieser wichtigen Schutzmaßnahmen nachhaltig zu steigern.

Wie konkret wird der Einsatz zertifizierter Präventionstechnik künftig die Beitragsgestaltung beeinflussen, um für die Kundinnen und Kunden einen direkten ökonomischen Anreiz zur Schadenverhütung zu schaffen?

Schon heute finden bei hochexponierten Risiken verwendete Präventionstechniken Berücksichtigung bei der Preisgestaltung. Durch die individuelle Würdigung der ergriffenen Maßnahmen können die erforderlichen Prämien für Kunden maßgeblich gesenkt werden. Gerade bei Naturgefahren wie Überschwemmung können bauliche Maßnahmen einen wesentlichen positiven Einfluss auf den Schadenbedarf haben.

Die konkrete Ausgestaltung in der Breite hängt immer auch entscheidend von der versicherten Gefahr ab. Leitungswasserschäden stehen sicher im Fokus: Sie treten mit einer hohen Frequenz auf und die Schadendurchschnitte sind in den letzten Jahren stark angestiegen.

Sie haben es gerade erwähnt: Das Thema Leitungswasser verursacht immense Kosten. Es steht aber oft im Schatten der medial präsenteren Elementarschäden. Mit welchen Strategien will die VKB dieses „unpopuläre“ Thema nachhaltig im Bewusstsein der Branche und der Kunden verankern?

Leitungswasserschäden machen etwa 50 Prozent des Schadenaufwands in der Wohngebäudeversicherung aus und verursachen dabei hohe Kosten, stehen aber oft im Schatten medial präsenterer Risiken. Die VKB setzt deshalb auf Aufklärungskampagnen, um Kunden gezielt über Risiken und Präventionsmöglichkeiten zu informieren. Ein wichtiger Baustein ist dabei unsere schon zuvor genannte Kooperation mit SURU, einem Spezialisten für digitale Leckageerkennung. Gemeinsam fördern wir den Einsatz moderner Präventionstechnologien und schaffen Anreize für Schutzmaßnahmen.

Vielen Dank für das Interview!

Mehr zu typischen Schadenursachen und -bildern, Risikofaktoren, Präventionsmaßnahmen sowie Auswirkungen auf die Beitragsentwicklung erfahren Sie in der Keynote von Dr. Markus Juppe beim Messekongress Schadenmanagement & Assistance. Am 14. und 15. April 2026 kommen wieder mehr als 1.300 Teilnehmende von Versicherungsunternehmen, Sachverständigen, Maklern, Assekuradeuren sowie Dienstleistern zum Messekongress nach Leipzig.