Versicherungs-IT – Ein Rückblick auf den Messekongress IT für Versicherungen

In diesem Jahr fand der Messekongress IT für Versicherungen virtuell statt. Für die IT-Experten aus den Versicherungshäusern war das natürlich kein Problem. Das Netzwerken und den Austausch zu den Fachvorträgen haben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einfach ins Virtuelle übertragen. Das hat uns sehr gefreut. Im Blogbeitrag möchte ich noch einmal die wesentlichen Inhalte der zweitägigen Fachveranstaltung zusammenfassen. Impulse gab es zu den Themen Zukunft der Versicherung, aktuelle Trends, Agilität, Altsysteme, Moderne IT im Vertrieb, KI, IT-Security und Innovationen.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Analytik & IT
Themen:
Data Analytics
Versicherungs-IT – Ein Rückblick auf den Messekongress IT für Versicherungen

Unsere Keynotes

„Echter Erfolg geht nur gemeinsam. Vertrauen und Verständnis tragen dazu bei, dass man besser vorankommt.“ Das haben Ursula Clara Deschka (ERGO Group AG) und Jörg Mathey (ITERGO) zum Auftakt des Messekongresses in ihrer Keynote über die erfolgreiche Zusammenarbeit von IT und Business klargemacht. Das Projekt „Marke“ gab eine Initialzündung für die ERGO und hatte großen Effekt auf nachfolgende Projekte im Haus.

Die drei Erfolgsfaktoren in der Zusammenarbeit von Business und IT sind den beiden zufolge:

  1. Projektstrukturen mit gleichberechtigten Fach- und IT-Bereichen – bei allen Themen immer fachliche und technische Bereiche besprechen
  2. Extrem enges Reporting – dadurch weiß man jederzeit, wo alle Themen stehen
  3. Offenheit und Transparenz – Unstimmigkeiten unverzüglich und hierarchiefrei besprechen und Lösungen finden

Am zweiten Tag machten wir gemeinsam mit Prof. Dr. Alexander Szameit, Lehrstuhl für Experimentelle Festkörperoptik an der Universität Rostock, einen Ausflug in die Quantenmechanik. Beeindruckend war dabei, wie verständlich es ihm gelang, den Teilnehmern die Funktionsweise und Tücken der Quantenmechanik zu erklären. So erfuhren wir, warum sich der Quantenmechaniker zu Weihnachten einen „gebeugten Zustand“ wünscht und was es damit auf sich hat. Quantencomputer sind eine der Zukunftstechnologien. Es gibt noch viele zu lösende Probleme wie die Skalierbarkeit, effiziente Fehlerkorrektur und neue Software. Zudem wird es nur noch einige Jahre dauern, bis erste Quantencomputer gebaut werden, die nützliche Probleme lösen, aber noch Jahrzehnte, bis jeder zu Hause einen Quantencomputer haben wird.

Zukunft der Versicherung

Das Fachforum „Zukunft der Versicherung“ bot ein recht breites Spektrum an Inhalten. Carsten Tobien und Armin Hangl von die Bayerische haben das Projekt Elementar vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein Leuchtturmprojekt des Versicherers. Seit 2017 wird daran gearbeitet, das beste Verwaltungssystem für die Bereiche Schadenverwaltung, Vertragsverwaltung und Produktverwaltung zu schaffen. Es hat sich gezeigt, dass es für den Erfolg vor allem auf den richtigen Partner ankommt. Die beiden betonten, dass das ständige Hinterfragen und Anpassen des Prozesses wichtig für die erfolgreiche Umsetzung eines Projektes ist. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Freude am Projekt, denn ohne Spaß fehlt die Leidenschaft und ohne Leidenschaft kann nichts Überragendes entstehen.

Marco Vellmete, Hauptabteilungsleiter Schadenmanagement Konzern bei der Versicherungskammer Bayern,  berichtet über prozessuale e2e-Automatisierung. Die VKB hat zwei Lösungen entwickelt, die das Schadenmanagement des Versicherers weiter automatisiert: zum einen den Servicepool, eine integrierte Dienstleisterplattform, und zum anderen ProTech, ein Regulierungstool für Sachverständige. Der Servicepool standardisiert die Kommunikation mit den Dienstleistungspartnern und macht so die Abwicklung des Schadenfalls systemunabhängig und sehr viel effizienter. ProTech macht als digitale Akte die Schadenaufnahme des Sachverständigen papierlos und ermöglicht ihm, dem Kunden vor Ort ein verbindliches Angebot zu unterbreiten.

Rebecca Rasp, Teamlead Customer Service bei Getsafe, betonte, dass die Versicherung von morgen von Kundenorientierung und unmittelbarer Verfügbarkeit bestimmt sein wird. Dafür notwendig ist die Digitalisierung der Angebote. So verlagert Getsafe Prozesse wie Vertragsabschluss oder Schadenmeldung via App ins Digitale.

Impulse für die Zukunft der Tierversicherungen und der privaten Krankenversicherung gab es am Ende des ersten Veranstaltungstages. Wie sich die Uelzner Versicherungen mithilfe der Adcubum AG und Automatisierungsprozessen fit für die Zukunft macht und zu welchen interessanten Ergebnissen die Studie „Die Zukunft der privaten Krankenversicherung“, die im März 2021 veröffentlicht wird, kommt, konnten die Teilnehmer hier erfahren.

Am zweiten Tag wurde ein Ausblick in die Zukunft gewagt. Über neue Technologien, neue Lebenswelten und neue Geschäftsmodelle sprachen Dr. Holger Rommel von der ti&m AG und Vincent Wolff-Marting von den Versicherungsforen Leipzig. Mathias Bock zeigte auf, welche Trends die Branche in den nächsten Jahren prägen werden.

Trends

Was gerade in der Versicherungs-IT angesagt ist und gut oder weniger gut funktioniert, wurde im Fachforum „aktuelle Trends“ besprochen.

David Ibl von der LV 1871 berichtete über DMN. Ihm zufolge nimmt die Komplexität in der IT rasant zu. Um Prozesse einfach modellieren zu können, greift das Unternehmen auf das Tool Signavio zurück. Damit wird den Fachbereichen der Umgang mit DMN erleichtert.

Dr. Kamil Bieder vom BiPRO e.V. appellierte an die Teilnehmer, dass die Wettbewerber gemeinsam die grundlegenden Prozesse schaffen und kooperieren sollten und sich eher in Services und Mehrwerten voneinander abheben. Ziel ist die Optimierung unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse. BiPRO e.V. bietet einen neutralen Boden für Absprachen zu Prozessen und Standards.

Palo Stacho von Lucy Security betonte, dass ein Großteil der Cyberschäden sich auf Mitarbeiter zurückführen lässt. Die Annahme, dass Pishing-Simulationen das Vertrauen in die Geschäftsleitung schädigen, hält er für falsch. Ohne Awareness-Maßnahmen kann das generelle IT-Sicherheitsniveau nicht gehalten werden.

Altsysteme

Im Fachforum „Ablösung Altsysteme“ haben Ralph Demtröder (Deutsche Vermögensberatung) und Raymon Sanden (compeople AG) über die Herausforderungen beim Wechsel von einer gewachsenen Individuallösung zu einer Standardplattform gesprochen. So entpuppt sich den beiden zufolge eine vermeintlich einfache Aufgabe wie die Ablösung eines E-Mail-Systems am Ende als deutlich umfangreicher. Ein weiterer Impuls kam von Ingo Reckers und Steffen Fischer von der Provinzial Rheinland Versicherung AG. Die beiden stellten das Projekt „Phönix“ vor – eine neue Versicherungsplattform für die Protect Versicherung mit der Faktor Zehn Suite.

Agilität

Das Thema Agilität bestimmte thematisch den Messekongress enorm. Drei Fachforen wurden der Agilität gewidmet.

Daniel Richter von der Allianz Deutschland AG und Christian Aschoff von der BROCKHAUS AG berichteten in ihrem Vortrag „Agile@Allianz – Eine Teamperspektive“ über ein neues Verständnis von Führung und Teams. Die Führungsrolle ändert sich. Sie gibt Verantwortung ab und diese wird vom Team übernommen. Die Priorisierung erfolgt außerhalb des Teams beim Product owner. Es müssen Teams statt Köpfe wahrgenommen werden. Zudem wird bei der Allianz in Tribes gearbeitet. Um die agilen Arbeitsweisen im Tribe zu verinnerlichen, hat es den beiden zufolge ein Jahr gebraucht.

Einmal neu, schnell und agil, bitte! Darum ging es im Vortrag von Malik Tayeh (NÜRNBERGER evo-X GmbH) und Jürgen Wüst (Cegeka Deutschland GmbH). Die Idee „Online geht alles“ scheitert an der Realität. Plan und Erwartung driften häufig auseinander, zudem folgt auch Agilität bestimmten Regeln. Manche Dinge brauchen ihre Zeit und können nicht immer sofort umgesetzt werden. Agile Produktentwicklung heißt, ein Versicherungsprodukt agil zu entwickeln und umzusetzen. Eine saubere Fachanalyse ist Tayeh zufolge hier Voraussetzung.

Am zweiten Tag berichteten im Fachforum „Agil erneuern“ Peter Schneeberger (RheinLand Versicherungsgruppe) und Hans-Peter Holl (enowa AG) über die Ablösung eines veralteten Bestandsführungssystems. Dies erfolgte in einem agilen Prozess, der Fachbereiche und IT verzahnt. Die beiden betonten, dass Vertrauen und Transparenz über den Erfolg der agilen Herangehensweise entscheiden.

Auch mal von der SCRUM-Theorie abweichen – das galt für den Vortrag von Dr. Sebastian Lütje (Roland Rechtsschutz) und Konstantin Schaller (SMP AG), die vor derselben Herausforderung wie die Rheinland Versicherungsgruppe standen. Zudem legten sie den Teilnehmern nahe, einfach mal zu probieren und innovativ zu denken.

Weitere spannende und auch wissenschaftliche Einblicke gab es von Lea Zey (Provinzial Rheinland Versicherungen AG), die Ergebnisse einer empirischen Studie zum Thema Agilität vorstellte. Im Vortrag von Armin Wildenberg ging es um eine Case Study: speziell um die Einführung von KanBan und Agilität bei einem Dienstleister, um Termintreue und Qualität zu verbessern.

Moderne IT im Vertrieb | KI | IT-Security | Innovationen

Im Fachforum Innovationen in der Versicherungs-IT gab es sehr unterschiedliche Einblicke. Von BIPRO über Informationssicherheit bis Facharchitektur, die Themen waren vielfältig.

Im Fachforum KI gab es wissenschaftliche Einblicke vom Fraunhofer Institut. Thomas Renner vom Fraunhofer IAO betonte, dass man von einer breiten Nutzung von KI noch weit entfernt sei, aber sie findet natürlich Anwendung in den einzelnen Bereichen und Branchen. Bei Versicherungen stehen die digitalen Assistenten im Rahmen der Dienstleistungsprozesse im Fokus für KI-Anwendungen. Auch Risikobewertungen sind sehr geeignet für den Einsatz von KI. Bei der Bilderkennung ist der Mensch nach wie vor besser als die Maschine. KI-basierte Lösungen sind ein wichtiges Element der Digitalisierung. Sie optimieren Prozesse und nehmen uns Arbeiten ab. Sie bilde die Basis für neue Wertschöpfung. KI-Kompetenz sollte in den Versicherungshäusern verankert werden.

Pascal Debus vom Fraunhofer Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC sprach über die Verlässlichkeit aktueller KI-Systeme. Er erläuterte, wie Algorithmen durch äußere Eingriffe gestört werden können – so wird für die KI aus einem Schwein ein Flugzeug. Auf die gleiche Weise können Sprachassistenten und autonom fahrende Autos getäuscht werden. Ein enormes Risikopotenzial also. Die Verteidigung gegen sogenannte Adversarial Samples erfolgt durch Anomalierkennung. Dabei fließen Anomalien beim Training der KI mit ein, um das System robust zu machen.

Im Fachforum IT-Security ging es Florian Wäsch (Dittmeier Versicherungsmakler GmbH) darum, mehr Awareness beim Thema Cybersicherheit zu erzeugen. Er zeigte bei einem Live-Hacking eindrücklich, wie schnell man mit relativ einfachen Tools Informationen und Daten über Menschen finden kann. Er appellierte an die Zuhörer, wie wichtig es ist, Awareness bei Menschen durch Schulungen, Tests und Absicherungen zu schaffen.

Im Fachforum „Moderne IT im Vertrieb“ haben Tim Farcher (UNIQA Versicherung AG) und Achim Heidebracht (NOVUM-RGI) über ihr gemeinsames Projekt berichtet, die Entwicklung einer Digital Sales Platform für 20 Partner in 15 Ländern.

Der nächste Messekongress IT für Versicherungen wird am 23./24. November 2021 stattfinden.

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Bärbel Büttner
Referentin Social Media
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.

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