Zwischen KI-Strategie und regulatorischer Realität: Das war der Messekongress IT 2025

Der Beitrag gibt einen Einblick in die Impulse des Messekongresses IT für Versicherungen 2025.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Analytik & IT
Themen:
KI / AI / künstliche Intelligenz ChatGPT / Generative AI Digitalisierung Legacy
Zwischen KI-Strategie und regulatorischer Realität: Das war der Messekongress IT 2025

Rund 600 Teilnehmende, 55 Aussteller und 85 Speaker aus der Versicherungs- und IT-Branche kamen Ende November zusammen, um sich auf dem 17. Messekongress IT über die aktuellen Entwicklungen in der Versicherungs-IT auszutauschen und zu diskutieren. Im Beitrag fassen wir die Highlights zusammen. 

„Die Zukunft gehört nicht den Unternehmen mit der besten Technologie, sondern denen mit der intelligentesten Architektur.“ – Prof. Dr. Oliver Thomas, Universität Osnabrück, Strategion GmbH, Didactic Innovations GmbH, School to go GmbH 

Den inhaltlichen Auftakt gab Prof. Dr. Oliver Thomas mit einer Einordnung des aktuellen Status und des Potentials von künstlicher Intelligenz. Er erklärte, dass KI-Lösungen zwar mittlerweile eine enorme Leistungsfähigkeit erreicht haben, es in vielen Unternehmen jedoch noch an der strategischen Ausrichtung fehlt. Der Weg zum „Smart Enterprise“ sei daher weniger eine Frage der Hardware, sondern primär eine Managementaufgabe, um den Hype von KI in wertstiftende Realität zu verwandeln. 

Wie KI erfolgreich in Kernprozesse eines Versicherers integriert werden kann, veranschaulichte Christian Zettl, Vorstand der Wüstenrot Versicherungs AG Österreich. KI ist für die Wüstenrot kein isoliertes IT-Thema, sondern ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie, eng verzahnt mit Innovations- und Datenstrategien. Christian Zettl skizzierte den Weg hin zu einem durch und durch datengetriebenen Unternehmen, in dem eine echte „Datendemokratisierung“ herrscht – vorausgesetzt, Datenschutz und Governance sind sauber geregelt.  

KI-Integration, Insurance-as-a-Service und SaaS-Lösungen: Das waren die Schwerpunkte der Fachforen 

Auch in diesem Jahr standen zentrale Herausforderungen der Branche im Fokus, die in spezifischen Fachforen vertieft wurden. Dabei bildeten die Fachforen „KI in Versicherungen“ sowie „Innovationen & Trends in der Versicherungs-IT“ einen großen inhaltlichen Schwerpunkt. 

Im Fachforum KI in Versicherungen konzentrierten sich die Diskussionen auf die operative Integration in die Wertschöpfungskette, wobei „Data Readiness“ stets als Basis erkannt wurde. Aber auch die Identifizierung relevanter Prozesse, Transparenzgewährleistung und Compliance-Fragen bildeten zentrale Punkte der Expertenbeiträge. Die Impulse im Bereich Legacy IT zeigten, dass erfolgreiche Legacy-Modernisierung auf der Kombination aus technologischer Innovation – wie GenAI-gestützter Analyse und Cloud-Architekturen – sowie einer transparenten Bestandsaufnahme basiert. Dabei wurde betont, dass nachhaltige Ergebnisse nur erzielt werden, wenn kultureller Wandel und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden gleichberechtigt neben der technischen Erneuerung stehen.  

Ergänzend zeigten die Praxiseinblicke zu Innovationen & Trends in der Versicherungs-IT auf, wie Cloud-Native-Ansätze und „Insurance-as-a-Service“ die Geschwindigkeit und Internationalisierung vorantreiben. Im Bereich der Plattformen in der Versicherungs-IT wurde der strategische Trend zu „Buy over Build“ und standardisierten „Software-as-a-Service“-Lösungen (Saas) zur Reduktion der Komplexität hervorgehoben. Übergreifend wurden diese Schwerpunkte durch die Themenfelder Regulatorik und Governance, Prozessautomatisierung, digitale Transformation sowie die Herausforderungen des kulturellen Wandels gerahmt. 

Start-up Session: Neue Impulse für die Branche 

Im Rahmen der Start-up Session präsentierten sich fünf Unternehmen mit innovativen Ansätzen für die Versicherungswirtschaft. Als Gewinner der Session ging experial hervor, ein Marktforschungs-Start-up, das KI nutzt, um kontinuierliches und realitätsnahes Kundenfeedback in Echtzeit zu generieren. 

Das Start-up NENNA.AI adressiert die regulatorischen Herausforderungen mit einer Plattform, die Datenschutz und Governance bündelt, um Versicherern den sicheren Einsatz von KI-Anwendungen zu ermöglichen. Inca positioniert sich als KI-basierter Schadensdienstleister, der durch intelligente Workflow-Steuerung Prozesse transparenter gestaltet und die Schaden-Kosten-Quote optimiert. Zur Unterstützung im Vertrieb stellte TODAY eine Lösung vor, die Beratungsgespräche aufzeichnet, transkribiert und dokumentiert, um durch Zeiteinsparung Freiräume für Berater zu schaffen, ohne diese zu ersetzen. Abschließend präsentierte 7Analytics eine spezialisierte Lösung für die Analyse von Hochwasserrisiken, insbesondere im städtischen Raum.  

IT-Transformation als Fundament des organisatorischen Wandels 

Dass technologische Veränderung oft Hand in Hand mit organisatorischem Wandel geht, zeigte der Bericht zur Fusion von Barmenia und Gothaer im Fachforum Digitale Transformation. Manfred Lampe von Gothaer Solutions gab einen offenen Einblick in den „Maschinenraum“ dieses Zusammenschlusses. Lampe beschrieb den Konsolidierungsprozess eingangs wie folgt: „Von Zusammenschluss zu Zusammenwachsen, das haben wir geschafft – aber eigentlich müssen wir ja IT-seitig schrumpfen.“  

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war dabei die Transparenz. Zielbilder und die IT-Roadmap wurden sehr früh offen kommuniziert und haben seitdem unverändert Bestand. Dies gab der Organisation die nötige Orientierung. Die Balance zwischen der notwendigen Konsolidierung der Systeme und dem gleichzeitigen „Empowerment“ des Business bleibt jedoch eine Daueraufgabe für die Transformationsmanager. 

Technologische Weichenstellungen für morgen 

Der Blick richtete sich im weiteren Verlauf auf die Infrastruktur der Zukunft. Thorsten Vogel von BearingPoint und Jens Ringel von den Versicherungsforen Leipzig diskutierten im Fachforum Legacy IT Kernversicherungssysteme der Zukunft mithilfe der Kaleidoscope-Studie von BearingPoint. Die Studie umfasst Daten von ca. 150 befragten Versicherern und 274 Implementierungen von Kernsystemen für Sach-, Haftpflicht-, Unfall- und Kfz-Versicherungen (SHUK). 

In der Diskussion wurden sechs Punkte für zukünftige Kernsysteme definiert: 

  • Cloud- und SaaS-Ansatz: Kernsysteme kommen aus der Cloud, der Trend zu SaaS ist erkennbar. 
  • Lose Kopplung der Module: Einzelne Module dürfen nicht zu stark miteinander integriert sein. 
  • Stabiler API-Layer ist sowohl im Kernversicherungssystem als auch in den Umsystemen entscheidend. 
  • Zentrale Systeme bleiben angeschlossen: Die Kernsysteme arbeiten weiterhin mit bestehenden zentralen Systemen zusammen. 
  • Orchestrierung außerhalb der Kernsysteme: Automatisierung und Distribution der Informationen erfolgen außerhalb des Kerns. 
  • Intelligente Bereitstellung und Visualisierung: Informationen werden über intelligente Deployment-Mechanismen in Portale überführt; Frontends sind für Experten optimiert. 

DORA als Organisationsaufgabe: Strategische Resilienz statt reiner Compliance 

Ansgar Hofmann von der Nürnberger Lebensversicherung verdeutlichte im Fachforum Regulatorik und Normen, dass die DORA-Umsetzung in den meisten Unternehmen noch nicht abgeschlossen ist. Hofmann definiert DORA nicht als begrenztes IT-Projekt, sondern als strukturelle Anpassung der Sicherheitsarchitektur, die erhebliche Ressourcen bindet. Er warnte vor einer bloßen „Checklisten-Mentalität“ und forderte einen Perspektivwechsel: Maßnahmen sollten risikoorientiert und proportional aus unternehmerischem Eigeninteresse erfolgen, um die Widerstandsfähigkeit nachhaltig zu erhöhen. Dabei betonte Hofmann, dass technische Anpassungen allein nicht genügen, sondern die Unternehmenskultur entscheidend ist: „Der wahre Wandel beginnt nach dem Go-Live“ und „Resilienz entsteht durch Menschen und nicht durch Prozesse.“ 

Nach dem Kongress ist vor dem Kongress: Der Austausch zur digitalen Zukunft der Assekuranz reißt nicht ab. Sie wollen Teil des Austausches sein und tiefer in aktuelle Versicherungs-IT-Themen eintauchen? Dann seien Sie im November beim nächsten Messekongress IT für Versicherungen dabei. Wer nicht so lange warten möchte, auf den wartet im Frühjahr das nächste IT-Highlight: Die IT-Woche bündelt gleich fünf Fachkonferenzen – von IT-Sicherheit über KI bis Legacy, Cloud bis hin zu Facharchitektur. Wir freuen uns auf Sie!