Entwicklungsgespräche mit Wirkung: Ein Ansatz für die Versicherungsbranche
Erfahren Sie, warum klassische Entwicklungsgespräche oft scheitern und wie die Versicherungsbranche sie neu gestaltet. Entdecken Sie praxisnahe Lösungsansätze.
Die meisten Entwicklungsgespräche entwickeln nichts. Doch gleichzeitig
ist kaum ein Format in der Personalentwicklung so verbreitet und gleichzeitig so wirkungsschwach wie das klassische Entwicklungsgespräch. Viele Mitarbeitende empfinden es als Pflichttermin, viele Führungskräfte als notwendige Formalie. Das Ergebnis: wenig Veränderung, wenig Bindung und wenig Wirkung. Genau das wollen die Versicherungsforen Leipzig gemeinsam mit 15 Expertinnen und Experten aus der Personal- und Organisationsentwicklung aus 13 Versicherungsunternehmen ändern.
Im Rahmen eines Workshops in Hamburg wurden Erfahrungen, Herausforderungen und konkrete Leitfragen gesammelt. Das Ergebnis: ein klares Bild, wie zukunftsorientierte Entwicklungsgespräche gestaltet werden müssen, damit sie ihren Namen verdienen.
Darum scheitern Entwicklungsgespräche
Die gemeinsame Arbeit zeigte, die Verantwortlichen in den Versicherungshäusern stehen vor ähnliche Herausforderungen: Entwicklungsgespräche sind häufig unklar verortet und werden eher als Pflichttermin, und weniger als echtes Entwicklungsinstrument wahrgenommen. Zudem fehlen Fokus, Struktur und eine klare Haltung in der Gesprächsführung. Unterschiedliche Vorgehensweisen, fehlende Transparenz und mangelnde Qualifizierung erschweren das Agieren auf Augenhöhe, gegenseitiges Vertrauen und letztendlich Wirksamkeit.
Entwicklungsgespräche: Gemeinsam entwickelte Lösungsideen für die Versicherungsbranche
Aus den Diskussionen der Teilnehmenden wurde deutlich: Es braucht keinen weiteren Standardprozess. Es braucht einen klaren Rahmen mit inhaltlicher Tiefe und kultureller Anschlussfähigkeit.
Leitfäden sollten als Orientierungsrahmen dienen – nicht als starres Gesprächsdrehbuch. Sie geben Sicherheit, eröffnen Denk- und Gesprächsräume und unterstützen Führungskräfte darin, situativ zu agieren.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass Führungskräfte und Mitarbeitende unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Rollenspezifische Leitfragen fördern Dialoge auf Augenhöhe und stärken gemeinsame Verantwortung.
Wesentlich für den Erfolg von Entwicklungsgesprächen ist die psychologische Sicherheit: Entwicklungsgespräche sind immer auch Beziehungsarbeit. Ohne Vertrauen, Offenheit und echtes Interesse bleiben sie wirkungslos.
Handlungsempfehlungen für Versicherungsunternehmen
Entwicklungsgespräche sollten strategisch verortet und klar im Zusammenspiel von Unternehmensstrategie, Führung und Personalentwicklung verankert werden. Einheitliche Leitplanken schaffen Orientierung, ohne individuelle Ausgestaltung zu verhindern.
Führungskräfte und Mitarbeitende müssen gezielt befähigt werden: Qualifizierung in Gesprächsführung, Zukunftsorientierung und stärkenbasiertes Feedback sind ebenso notwendig wie die Vorbereitung der Mitarbeitenden auf ihre aktive Rolle.
Leitfäden sollten einfach, klar und praxisnah gestaltet sein. Wenige gut formulierte Leitfragen entfalten mehr Wirkung als umfangreiche Dokumente.
Entwicklung sollte als kontinuierlicher Prozess verstanden werden. Regelmäßiger Austausch ersetzt das reine Jahresritual und macht Entwicklung dynamisch und wirksam.
Beispielfragen für zukunftsorientierte Entwicklungsgespräche
Führungskraft an Mitarbeitende:
- Was sind deine wichtigsten Ziele – und was hindert dich aktuell daran?
- Wie zufrieden bist du mit deiner aktuellen Situation?
- Was kann ich tun, um dich in deiner Entwicklung zu unterstützen?
- Wo empfindest du Selbstwirksamkeit?
Mitarbeitende an Führungskraft:
- Welche Erwartungen hast du an mich?
- Was muss ich tun, um den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen?
- Bei welchen Aufgaben oder Projekten kann ich meine Stärken stärker einbringen?
Zukunftsorientierte Fragen:
- Wovon brauchst du in Zukunft mehr – und wovon weniger?
- Wo siehst du dich in drei bis fünf Jahren?
- Was können wir heute tun, um dich darauf vorzubereiten?
Fazit
Entwicklungsgespräche sind kein Formularprozess, sondern ein zentrales Kulturinstrument. Wenn Leitfäden als Impulsgeber genutzt, Führungskräfte und Mitarbeitende befähigt und Vertrauen als Grundlage verstanden werden, können Entwicklungsgespräche wieder das leisten, was sie sollen. Sie können echte Entwicklung ermöglichen.
Ausblick: Weiterführung des Austauschs in der User Group
Die gemeinsame Arbeit aus diesem Kreis wird im Rahmen der der User Group Organisations- und Personalentwicklung der Versicherungsforen Leipzig weitergeführt. Der Fokus des kommenden Treffens liegt auf zentralen Zukunftsthemen der Personal- und Organisationsentwicklung in Versicherungsunternehmen.
Im Mittelpunkt stehen die Stärkung von Lernkompetenz und moderner Weiterbildung sowie Nachfolgeplanung, interne Stellenbesetzung und Talentmanagement. Ziel ist es, gemeinsam praxisnahe Perspektiven und Lösungsansätze zu entwickeln, wie Versicherer ihre Mitarbeitenden systematisch befähigen, Talente gezielt entwickeln und Übergänge in Schlüsselrollen nachhaltig gestalten können.