Podcast-Special: Gebrauchte Ersatzteile im Kfz-Schadenmanagement: Was jetzt noch fehlt

Im Podcast-Special diskutieren drei Experten aus der Branche, wie gebrauchte Originalteile das Kfz-Schadenmanagement nachhaltiger machen und welche Qualitätsstandards, Plattformen und Prozesse dafür noch fehlen.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Schaden & Leistung
Themen:
Schadenmanagement Kfz-Versicherung
Podcast-Special: Gebrauchte Ersatzteile im Kfz-Schadenmanagement: Was jetzt noch fehlt

Gebrauchte Originalteile können Kfz-Reparaturen nachhaltiger machen, Lieferengpässe überbrücken und ältere Fahrzeuge vor dem wirtschaftlichen Totalschaden bewahren. In Deutschland sind sie bislang trotzdem die Ausnahme. Es fehlen vor allem einheitliche Qualitätsstandards, verlässliche Prozesse und eine verständliche Kommunikation.

In unserem Podcast-Special Versicherung 360 hören Sie einen Mitschnitt eines Panels vom Messekongress Schadenmanagement & Assistance 2026. Unter der Moderation von Franz Gündel von den Versicherungsforen Leipzig diskutieren Christian Kleefisch von AXA, Thomas Behl von AZT Automotive und Michael Pinto vom Bundesverband der Partnerwerkstätten über Chancen und Grenzen gebrauchter Kfz-Ersatzteile.

Welche gebrauchten Kfz-Ersatzteile eignen sich für die Unfallreparatur?

Der 64. Deutsche Verkehrsgerichtstag hat dem Thema neuen Schub gegeben. Seine Empfehlung: Gebrauchte Ersatzteile sollen bei Kasko- und Kfz-Haftpflichtschäden häufiger eingesetzt werden, wenn ein Austausch technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Schon 1999 gab es einen ähnlichen Vorstoß, damals jedoch ohne nachhaltigen Erfolg. Heute erhöhen steigende Ersatzteilpreise und der Druck zur Kreislaufwirtschaft die Chancen auf einen Durchbruch.

Geeignet sind vor allem geschraubte Originalteile wie Türen, Hauben, Kotflügel, Heckklappen oder Stoßfänger. Sicherheitsrelevante Komponenten und geschweißte Karosserieteile scheiden dagegen in der Regel aus.

„Die Verkehrssicherheit darf da nicht irgendwie infrage gestellt sein.“

Dies betont Thomas Behl und dämpft zugleich zu hohe Erwartungen: Gebrauchtteile werden kein Allheilmittel gegen steigende Reparaturkosten sein. Er hält es perspektivisch für möglich, etwa zehn Prozent der technisch geeigneten Neuteile zu ersetzen. Denn ein gebrauchtes Teil ist nicht automatisch günstiger. Prüfung, Aufbereitung und Lackierung können zusätzlichen Aufwand verursachen, der den Werkstätten fair vergütet werden muss.

Andere europäische Länder sind bereits weiter. Christian Kleefisch verweist auf Skandinavien, Großbritannien und die Niederlande, wo Plattformen, Qualitätsklassen und zertifizierte Demontagebetriebe etabliert sind. In Frankreich müssen Werkstätten geeignete Gebrauchtteile sogar als Reparaturoption anbieten.

Welche Standards braucht die Reparatur mit gebrauchten Autoteilen?

Die größte Hürde liegt nicht in der Technik, sondern im Prozess. Eine Befragung unter Mitgliedsbetrieben des Bundesverbands der Partnerwerkstätten zeigt: 25,9 Prozent haben noch keine Erfahrung mit Gebrauchtteilen, rund 70 Prozent setzen sie vereinzelt ein und nur 4,6 Prozent regelmäßig.

Als Gründe nennen die Betriebe einen höheren Organisationsaufwand, eine begrenzte Verfügbarkeit, optische Mängel und komplizierte Rückabwicklungen. Hinzu kommen offene Fragen zu Haftung, Garantie und Gewährleistung.

„Wenn wir das nur in unserem Kreise besprechen, dann steht das Kind, es fängt nie an zu laufen.“

So Michael Pinto, der zur Vertrauensbildung beispielsweise einen Teilepass vorschlägt. Dieser könnte dokumentieren, aus welchem Fahrzeug ein Bauteil stammt, wie alt es ist und welche Laufleistung es hinter sich hat. Einheitliche Qualitätsklassen sollten zudem erkennen lassen, ob ein Teil nachlackiert wurde oder aus einem Überschwemmungsschaden stammt.

Genauso wichtig ist die Aufklärung der Autofahrenden. Versicherer, Werkstätten, Verwerter und Plattformanbieter müssen gemeinsam erklären, warum ein geprüftes gebrauchtes Originalteil bei einem älteren Fahrzeug eine sichere und passende Lösung sein kann. Besonders die Werkstätten spielen dabei eine zentrale Rolle, weil Kundinnen und Kunden ihrer Einschätzung im Schadenfall vertrauen.

Damit gebrauchte Ersatzteile im Kfz-Schadenmanagement zum Standard werden können, braucht es zertifizierte Verwerter, digitale Plattformen, eine schnelle Logistik und klare Regeln für Qualität und Gewährleistung. Erst wenn diese Bausteine zusammenspielen, wird aus der guten Idee ein verlässlicher Reparaturprozess.

Mit dem Podcast Versicherung 360 wollen wir den Expertenaustausch auf eine neue Ebene heben und die Themen, die Trends und die Zukunft der Versicherungsbranche diskutieren. Regelmäßig, 30 Minuten, immer aktuell – und natürlich bei allen großen Streaming-Anbietern zu abonnieren.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören der Folge.

Hinweis: Wie im Panel deutlich wurde, braucht der Markt vor allem eines: verlässliche Daten darüber, was Autofahrende wirklich über die Reparatur mit gebrauchten Originalteilen denken. Genau hier setzt eine gemeinsame Studieninitiative mehrerer Versicherer an, die die Versicherungsforen Leipzig aktuell begleiten. Sie wollen mehr dazu erfahren? Dann kommen Sie gern auf uns zu.