Effizienz durch Innovation: Wenn Algorithmen kalkulieren und der Mensch zum Regisseur wird

KI und Agentic AI revolutionieren das moderne Schadenmanagement: Erfahren Sie in diesem Rückblick, wie innovative Technologien Prozesse beschleunigen, während der Mensch als entscheidende Instanz („Human in the Loop“) weiterhin die Qualität und das Vertrauen sichert.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Schaden & Leistung
Themen:
Schadenmanagement ChatGPT / Generative AI
Effizienz durch Innovation: Wenn Algorithmen kalkulieren und der Mensch zum Regisseur wird

KI-Kalkulation, Agentic AI und die Rolle des Menschen: Ein Rückblick auf das Fachforum „Technologie & Transformation“ beim Messekongress Schadenmanagement & Assistance 2026 zeigt, das neue Technologien wie KI und Agentic AI in der Versicherungspraxis zunehmend Fuß fassen. Es geht nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wie schnell“ und „Wie präzise“. 

Im Zentrum des Fachforums stand dabei eine Erkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch alle Impulse zog: Echte Effizienz entsteht nicht durch den Ersatz des Menschen, sondern durch seine radikale Entlastung. Ob bei der Hagelkalkulation in Rekordzeit, der automatisierten Haftungsprüfung oder der KI-gestützten Prävention vor Elementarschäden – die Branche zeigt, dass neue Technologien das Rückgrat eines modernen Schadenprozesses bilden. 

Doch was bedeutet es für eine Organisation, wenn der Sprachroboter „FIONA“ den Erstkontakt übernimmt oder die KI-Kalkulation in wenigen Sekunden vorliegt? Der diesjährige Rückblick beleuchtet die spannendsten Impulse des Fachforums und zeigt, warum der „Human in the Loop“ gerade in einer vollautomatisierten Welt zur entscheidenden Instanz für Vertrauen und Qualität wird. 

Tauchen wir ein in die Praxisbeispiele, die zeigen, wie Versicherer heute den Spagat zwischen Hochgeschwindigkeitstechnologie und menschlicher Expertise meistern. 

Vom Telefonat zur Regulierung in Minuten: Die Praxis bei der VHV 

In einem gemeinsamen Impuls erläuterten Önder Aslan (Geschäftsführer, FIASCO) und Friedrich von Wrede (Geschäftsführer, VHV Solutions GmbH) den Einsatz der FIASCO-Lösung bei der VHV im Kfz-Bereich. Mit KI-Kalkulation und Agentic AI verspricht FIASCO einen neuen Standard der taggleichen Regulierung im Schadenprozess. Dabei bietet das Unternehmen flexible Lösungen für unterschiedliche Anwendungsfälle, die individuell angepasst werden können. Eine Innovation, die Önder Aslan auf dem Messekongress vorstellte, ist der Sprachroboter „FIONA“. Er wird zur telefonischen Aufnahme und Berechnung von Schäden eingesetzt. Im Fall der VHV wird mithilfe von KI die Schadenhöhe direkt bei der Schadenmeldung ermittelt. Solche technologischen Umsetzungen führen auch zu strukturellen Veränderungen und Rollenfragen in einem Unternehmen: 

„Das ist ein Change-Prozess, bei dem wir alle Mitarbeiter mitnehmen müssen.“
Friedrich von Wrede (Geschäftsführer, VHV Solutions GmbH

Fiasco und VHV Impuls

Auch im Showroom „KI-basierte Kfz-Schadenkalkulation in der Praxis: Erfahrungen und Erkenntnisse“ diskutierten die vier Expertinnen und Experten Stefanie Aigner (Leiterin Abteilung Schaden München, VHV Solutions GmbH), Barbara Tauscher (Bereichsleitung Marktfolge, Wüstenrot Versicherungs-AG), Eduard Schüle (Geschäftsführer, PDR-Team GmbH) und Daniele Baldino (Geschäftsführer, Auto Fleet Control GmbH) über KI-Lösungen, wie sie bei der VHV im Einsatz sind. Das waren die zentralen Thesen der Expertenrunde: 

  • Daniele Baldino (Auto Fleet Control GmbH) erklärte das „One-call-does-it-all“-Prinzip: FIASCO ermöglicht ein digitales Schadenmanagement, bei dem sich Fahrer auf digitalem Weg melden können und von KI-Agenten durch die Schadenmeldung geführt werden. Per Bild-KI wird die Schadenerfassung deutlich effizienter und Prozesse werden auf wenige Minuten verkürzt. 
  • Stefanie Aigner (VHV Solutions GmbH) erläuterte, wie die VHV via FIASCO Schadenkalkulationen innerhalb von 24 Stunden nach der Erstschadenmeldung erstellt. 
  • Eduard Schüle (PDR-Team GmbH) skizzierte, wie Drive-In-Fahrzeugscanner Hagelschäden erfassen und an FIASCO übermitteln. Dies ermöglicht eine Abwicklung in nur fünf bis sieben Minuten bei einer Trefferquote von 80 bis 90 Prozent. 
  • Barbara Tauscher (Wüstenrot Gruppe) verdeutlichte den Unterschied zwischen Deutschland und Österreich im Bereich Schaden. Nicht nur sind in Österreich weniger PKWs zugelassen, auch die elektronische Schadenmeldung ist in Österreich weniger beliebt. Dennoch setzt auch Wüstenrot auf FIASCO bei der Extrahierung und Strukturierung der Daten. 

„Human in the Loop – das geht nicht anders!“
Daniele Baldino (Auto Fleet Control GmbH) 

Die Expertinnen und Experten sind sich einig: Die Use Cases beweisen, dass KI die Effizienz und Qualität steigert und Prozesse verkürzt. Trotzdem braucht es in der Struktur immer einen menschlichen Experten. 

Tilo Weiskopf | LxPRESS

KI-gestützte Schadenbearbeitung 

Einen Einblick in die KI-gestützte Schadenbearbeitung gaben Michael Gaigl (Leiter Claims Intelligence, BavariaDirekt Versicherungs AG) und Natalie Laustroer (Vice President Versicherungen und Finanzdienstleistungen, Arvato Systems GmbH). Anhand des Praxisbeispiels der BavariaDirekt präsentierten sie eine Effizienzsteigerung in der Schadenregulierung durch die Automatisierung der Haftungsprüfung. Die BavariaDirekt hat die Schadenabwicklung weitgehend vollautomatisiert – von der Anlage über die Steuerung bis zur Zahlungsvorbereitung. In dieser Struktur versteht sich die Rolle des Schadenmanagers viel mehr als finale Kontrollinstanz, die Auszahlungen manuell bestätigt. Der Impuls rückte insbesondere die Haftungsprüfung in den Vordergrund. In diesem Bereich prüft die eingesetzte KI automatisiert, ob alle Informationen vorliegen. Anschließend bewertet sie die Belastbarkeit der Schilderungen und gleicht diese mit historischen Daten ab. Auch in dieser Struktur werden finale Entscheidungen von Mitarbeitenden getroffen. Das Beispiel der BavariaDirekt verdeutlicht, dass sich Unternehmen mit technologischem Fortschritt auch mit veränderten Rollenbildern auseinandersetzen müssen. Michael Gaigl unterscheidet in diesem Prozess künftig zwischen zwei Positionen: dem „Workflowmanager“, der den Prozess steuert, und dem „Schadenexperten“ für komplexe Sachverhalte. 

„Die Herausforderung ist nicht dieses KI-Modul, sondern wie es gelingt, dieses in die Organisation zu bringen.“ 
Michael Gaigl (Leiter Claims Intelligence, BavariaDirekt Versicherungs AG) 

Die Bearbeitungszeit der Haftungsprüfung hat sich durch den Einsatz von KI halbiert. Die Übereinstimmung zwischen dem KI-Vorschlag und der menschlichen Entscheidung liegt zudem bei über 90 Prozent. 

Schadenprävention als Erfolgsfaktor bei zunehmenden Extremwetterereignissen 

Die globale Erwärmung hat zunehmend Extremwetterereignisse zur Folge, mit denen sich auch Versicherungsunternehmen auseinandersetzen müssen. Rentabilitätsdruck, steigende Betrugsrisiken und hohe Lasten auf Seiten der Schadenorganisation sind dabei zentrale Herausforderungen. Stefan Hackl (Leiter Schadenservice, Helvetia Versicherungen AG) und Dr. Marcus Mayer (Senior Vice President, Ubimet Services GmbH) zeigten beim Messekongress, warum Schadenprävention und Wetterdaten strategische Erfolgsfaktoren sind. 

Die Helvetia hat in Kooperation mit UBIMET eine Unwetterwarnung für die eigenen Kunden entwickelt. Diese werden 48 Stunden bis 15 Minuten vor dem Eintreffen eines Unwetters per SMS und/oder E-Mail informiert. Dadurch sollen Kunden rechtzeitig die Möglichkeit erhalten, Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Stefan Hackl (Helvetia Versicherungen AG) erklärte, dass Prävention bei der Helvetia schon beim Underwriting beginnt. Mithilfe von 3D-Modellen können mögliche Präventionsmaßnahmen auf Grundstücken aufgezeigt werden. Der Versicherer setzt auf Aktion statt Reaktion und dementsprechend auf Schadenprävention. Dadurch sollen Schäden verhindert, die Kundenbindung gefestigt und die Schadenorganisation entlastet werden. 

Dr. Marcus Mayer (UBIMET Services GmbH) lieferte den theoretischen Kontext zur punktgenauen Wettervorhersage. Er erklärte, wie mithilfe einer hochpräzisen meteorologischen Datenbank beispielsweise eine genaue Hagelvorhersage möglich ist. 

Ein Blick in die Zukunft: So sieht die Schadenabwicklung 2030 aus 

Einen Blick in die Zukunft gaben Nicolas Witte (Geschäftsführer, PropertyExpert GmbH) und Sven Gábor Jánszky (Zukunftsforscher, 2b AHEAD ThinkTank GmbH) am ersten Messetag. In ihrem gemeinsamen Impuls thematisierten die beiden Experten, wie End-to-End-Strukturen Versicherungen bereits heute zukunftssicher machen. 

PropertyExpert ist ein Technologieanbieter, der auf das Schadenmanagement im Bereich Gebäudeschäden spezialisiert ist. Die Vision des Unternehmens sind bestmöglich geschützte Gebäude sowie eine faire und unkomplizierte Schadenregulierung im Kontext von extremen Wetterereignissen und teurerem Versicherungsschutz.  

In diesem Kontext lautet die Prognose der beiden Experten für die Zukunft des Schadenmanagements bei Gebäudeschäden wie folgt: Durch die heutige Technologie, speziell durch die End-to-End-Automatisierung, werden Schäden von Gebäuden selbst bemerkt und automatisch gemeldet. Eine KI ist dann in der Lage die Meldung zu analysieren und Handlungsabläufe, wie Reparaturen und Auszahlungen, zu steuern. Aus diesem Prozess lassen sich zudem Präventionsmaßnahmen für die Zukunft ableiten. PropertyExpert setzt bereits verschiedene Bots ein, um beispielsweise schriftliche Meldungen direkt in die Online-Strecke zu integrieren. 

Auch in diesem Jahr möchten wir uns bei allen Teilnehmenden des Messekongresses Schadenmanagement & Assistance für die spannenden Impulse, den Austausch und die Diskussionen bedanken. Wer im nächsten Jahr wieder dabei sein und gemeinsam auf das Schadenjahr 2027 blicken möchte, kann sich den 22. und 23. April 2027 vormerken. Wir freuen uns schon jetzt auf die Jubiläumsausgabe, die mit Sicherheit die ein oder andere Überraschung bereithält. 

Tilo Weiskopf | LxPRESS