Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft: Kultur, Strategie, Regulatorik

Unser Marktmonitor „Sustainable Insurance Industry“ gibt halbjährlich einen Überblick zu neuen nachhaltigen Versicherungskonzepten, spannenden Kooperationen und Maßnahmen, die dabei unterstützen, Nachhaltigkeit in die Versicherungswirtschaft zu integrieren. Zudem werfen wir einen Blick auf relevante Initiativen und regulatorische Anforderungen. In diesem Beitrag stellen wir einen kleinen Auszug der zweiten Ausgabe in 2022 vor. Dabei konzentrieren wir uns im dritten Teil der Reihe zum Marktmonitor auf die Punkte Unternehmenskultur, Strategie und Regulatorik.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Strategie & Innovation
Themen:
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft: Kultur, Strategie, Regulatorik

Unternehmenskultur: Umfassende Unterstützung für die Ukraine

Kurz nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs Ende Februar 2022 startete die R+V Versicherung eine bis heute aktive Hilfsaktion, die deutlich über Geldspenden hinausgeht. Im März 2022 veröffentlichte der Versicherer eine erste Zwischenbilanz:

  • 250.000 EUR gingen in Form einer Soforthilfe an das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, weitere 70.000 EUR an die Spendenaktion der Finanzgruppe der Volksbanken Raiffeisenbanken. Die gesammelten Spenden flossen an das Deutsche Rote Kreuz.
  • Eine Spendenaktion der Mitarbeitenden brachte rund 250.000 EUR zusammen. Darüber hinaus organisierten einige Mitarbeitende Hilfs- und Krankentransporte, nahmen ukrainische Geflüchtete bei sich auf und spendeten Drogerie- und Lebensmittelgutscheine.
  • Geflüchtete, die von R+V Kunden im eigenen Haushalt aufgenommen werden, erhalten kostenfreien Versicherungsschutz. Darunter fällt die Privathaftpflicht-, Wohngebäude- und Hausratversicherung.
  • Ehrenamtliche Helfer, die beispielsweise Hilfstransporte in die Ukraine unternehmen und einen Wohnsitz in Deutschland haben, erhalten kostenfreien Unfallschutz. Gleiches gilt für Unternehmen, so können gewerbliche R+V-Kunden mit einer Speditionsgüter-Police diese Hilfstransporte kostenfrei mitversichern lassen.
  • Die KRAVAG Versicherung, Teil der R+V Versicherungsgruppe, schloss sich der Initiative FreeDesks4Ukraine an. Dabei stellte der Versicherer fünf Arbeitsplätze im eigenen Coworking Space (Standort Hamburg) geflüchteten Ukrainern kostenfrei zur Verfügung.

Strategie: Die Versicherungsbranche wendet sich von der Öl- und Gasindustrie ab

Im März 2022 verkündete die Hannover Rück, sich aus dem kritisierten Fossilprojekt East African Crude Oil Pipeline (EACOP) zurückzuziehen. Die afrikanische Rohölpipeline soll in Zukunft Öl aus Uganda über 1445 km zum Hafen von Tanga in Tansania transportieren. Den Austritt aus dem Projekt begründet der Rückversicherer mit den eigenen ESG-Erwartungen.

Aktuell befindet sich die Pipeline noch im Bau, sorgt aber bereits heute für starken Widerstand. Neben der Hannover Rück haben sich auch andere Versicherer wie die Talanx, Swiss Re, Munich RE, Allianz, AXA, Zurich und SCOR von EACOP distanziert.

Besonders die #StopEACOP-Kampagne engagiert sich dafür, dass das umstrittene Projekt keine Unterstützung von Banken und Versicherern erhält. Von 15 Versicherern haben acht Versicherer den Versicherungsschutz für die ostafrikanische Pipeline ausgeschlossen.

Der Rückzug aus fossilen Projekten ist nur eine Möglichkeit, um sich von umweltschädlichen Industrien zu distanzieren. Im Mai 2022 gab die Allianz Versicherung, bisher einer der größten Öl- und Gasversicherer weltweit, in ihrer kürzlich beschlossenen Öl- und Gasrichtlinie bekannt, dass ab Januar 2023 kein Versicherungsschutz für die Öl- und Gasindustrie gewährleistet wird. Mit Beginn des Jahres 2023 soll auf die Schließung von Neuverträgen verzichtet werden. Doch auch Bestandsverträge sollen ab Mitte nächsten Jahres nicht mehr verlängert werden und zukünftig auslaufen.

Die neue Richtlinie hat jedoch Ausnahmen festgelegt, bei welchen dieses Vorhaben nicht greift. Aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage behält sich der Versicherer vor, in Ausnahmen, beispielsweise bei der Erschließung eines Ölfeldes aus Gründen der Energiesicherung, weiterhin Versicherungsschutz zu gewährleisten.

Regulatorik: Die neuen Verordnungen hinterlassen viele Fragen

Am 6. April 2022 verabschiedete die EU-Kommission die technischen Regulierungsstandards (RTS) im Rahmen der Offenlegungsverordnung (SFDR), einschließlich Vorlage für die Berichterstattung über die wichtigsten negativen Auswirkungen auf Unternehmensebene und Indikatoren (Anhang 1) sowie vorvertraglichen / periodischen Vorlagen für Produkte (Anhänge 2-5). Die RTS gelten dann ab Januar 2023.

Am 5. September 2022 veröffentlichte die BaFin ein Dokument, in dem sie erste Fragen zur Offenlegungsverordnung (SFDR) beantwortet. Sie soll den Finanzmarktteilnehmern und -beratern in Bezug auf unbestimmte Rechtsbegriffe und deren Auslegung helfen. Denn sowohl die Verordnung an sich, die RTS als auch die Antworten der EU-Kommission im Mai und Juli 2022 werfen noch Anwendungsfragen auf.

Ähnlich sieht es im Kontext Solvency II aus. Am 2. August 2022 veröffentlichte EIOPA die finale Fassung der Anwendungsleitlinien zur Bewertung der Wesentlichkeit des Klimawandels und zu Klimawandelszenarien im Rahmen des ORSA-Prozesses (Own Risk and Solvency Assessments).

Der Leitfaden dient den Anwendern als praktische Grundlage für die effizientere Umsetzung der Ambitionen im Bereich der nachhaltigen Finanzierung und liefert den Unternehmen Hilfestellungen und Beispiele aus Musterunternehmen (Life und Non-Life) in den Bereichen, in denen Unternehmen die Möglichkeit haben, Risiken des Klimawandels im ORSA zu berücksichtigen. Beispielsweise in Bezug auf die Wesentlichkeitsbewertung und die Modellierung der Klimawandelszenarien.

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In diesem Beitrag wurden lediglich ausgewählte Themen der aktuellen Ausgabe des Marktmonitors Sustainable Insurance Industry vorgestellt. Für den vollem Umfang mit vielen weiteren Informationen zu nachhaltigen Produkten, spannenden Kooperationen, Initiativen und regulatorischen Rahmenbedingungen besuchen Sie gern unsere Website. Dort finden Sie auch das zugehörige Bestellformular.

 

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