Podcast Insight: IT-Fusion Barmenia und Gothaer - Die Transformationsroadmap als Taktgeber
In dieser Insight-Folge spricht Bärbel Büttner mit Manfred Lampe (Geschäftsführer Gothaer Solutions, Leiter IT-Modul PMI) über die IT-Fusion von Barmenia und Gothaer. Eine zentrale Erkenntnis: Entscheidend ist die wiederkehrende Balance aus konsequenter Konsolidierung und gezielter Weiterentwicklung – gesteuert über eine Transformationsroadmap als „Taktgeberin“ inklusive klarer Zielbilder und priorisierten Basisprojekten wie Identity & Access Management (IAM).
In dieser Insight-Folge vom Podcast Versicherung 360, dem kurzen Podcast-Format der Versicherungsforen Leipzig, spricht Bärbel Büttner mit Manfred Lampe, dem Geschäftsführer der Gothaer Solutions GmbH und Leiter des IT-Moduls der Post-Merger-Integration bei BarmeniaGothaer. Im Gespräch klären die beiden die Frage, wie sich eine über Jahrzehnte gewachsene Doppel-IT nach einem Zusammenschluss konsolidieren lässt, ohne Innovationsfähigkeit und Business-Tempo zu verlieren.
Hinweis: Die Folge wurde im Rahmen des Messekongresses IT für Versicherungen im November 2025 aufgezeichnet.
Zielbilder, Domänen, Roadmap: Erst strukturieren, dann beschleunigen
Lampe beschreibt den Start der IT-Fusion nicht als „einen ersten Schritt“, sondern als konsequente Sequenz aus Architekturarbeit und Management-Disziplin. Frühzeitig wurden Zielbilder, Zielsystem-Entscheidungen oder Abhängigkeiten definiert, um anschließend eine Roadmap abzuleiten und zeitlich zu verankern. Wo Entscheidungen noch nicht möglich waren, wurden bewusst Annahmen gesetzt, um handlungsfähig zu bleiben und anschließend offensiv kommuniziert, um aktiv Diskussionen zu führen, statt von ihnen getrieben zu werden.
Auch beim Planungshorizont bleibt die Roadmap praxisnah: Statt einer „Zehn-Jahres-Perspektive“ fokussiert BarmeniaGothaer laut Lampe nun auf eine Fünf-Jahres-IT-Strategie mit klaren Endzielen bis 2030 und messbaren Zwischenzielen (u. a. 2028/2029), um Fortschritt regelmäßig bewerten zu können.
Drei Taktgeber-Themen: Plattform, Konsolidierung, Identity & Access Management
Inhaltlich priorisiert die Roadmap drei Felder:
- Erstens: Eine neue Kunden- und Marktplattform, weil der Zusammenschluss als „vertriebsorientierter Merger“ verstanden wird – inklusive gleicher Services für Vertriebspartner, bei gleichzeitig möglicher Differenzierung in Oberflächen und einer entkoppelten Datenbasis.
- Zweitens: Die Synchronisation der Meilensteine in der Risikoträger-IT, also Bestands- und Leistungssysteme sowie Querschnittsysteme, um Zielkonflikte und Reibungsverluste zu minimieren.
- Drittens: Ein technologisches Basisprojekt, das häufig unterschätzt wird, aber in Fusionen schnell zum Engpass wird: IAM (Identity and Access Management) als Voraussetzung für sichere Zusammenarbeit über Systemwelten hinweg.
„Das technologische Basisprojekt ist vielleicht das IAM-Projekt, also Identity and Access Management, mit dem wir den Mitarbeitenden aus einem System die technische Identität geben.“
Entscheidend ist dabei laut Lampe die Anschlussfähigkeit ans Business: Die Roadmap soll nicht nur ein IT-Plan sein, sondern Orientierung im gesamten Unternehmen geben – inklusive Einbindung der Fachbereiche, Diskussionen und Anpassungen.
Konsolidierung vs. Business Empowerment: Der strategische Korridor entscheidet
Konsolidierung allein macht die IT nicht besser. Eine reine Zusammenlegung reduziert zwar Doppelstrukturen, erhöht aber nicht automatisch die Leistungsfähigkeit, Time-to-Market oder den Innovationsgrad. Umgekehrt führt ein zu starker Fokus auf Weiterentwicklung ohne Konsolidierungsdisziplin zu einer „zerklüfteten“, hochkomplexen IT-Landschaft, auf der künftige Modernisierung ausgebremst wird. Lampe nennt das einen „strategischen Korridor“, der immer wieder neu ausgehandelt werden muss.
„Wird man den Fokus zu stark auf die Konsolidierung legen, wird man keinen Deut besser, legt man den Fokus zu sehr auf Weiterentwicklung (…), hat man eine zerklüftete IT-Landschaft.“
Für die Praxis bedeutet das: Die Roadmap ist nicht nur ein Ablaufplan, sondern ein kontinuierliches Entscheidungsinstrument, um Ressourcen zwischen Stabilisierung, Harmonisierung und Innovation neu zu balancieren.
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Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören der Folge.