Podcast #75: Moderne Führung in hybriden Teams – Warum Führung wieder mehr echten Kontakt braucht

Moderne Führung in der Versicherungswirtschaft gelingt in hybriden Teams durch klare Erwartungen, Vertrauen und aktive Beziehungsarbeit.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Betrieb & Organisation
Themen:
Leadership / Führung Arbeitswelten/NewWork Organisationsentwicklung
Podcast #75: Moderne Führung in hybriden Teams –  Warum Führung wieder mehr  echten Kontakt braucht

Im Podcast Versicherung 360 spricht Gastgeberin Nadine Marquardt mit Lars Lange, Diplom-Psychologe, Führungskräftecoach und langjähriger Leiter der Personalentwicklung bei HanseMerkur, sowie Steffen Rohr, Leiter Future Work und Organisationsdesign bei den Versicherungsforen Leipzig. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Führung in einer Arbeitswelt gelingt, die zwischen Büro, Homeoffice und hybriden Teamstrukturen stattfindet. Die zentrale Herausforderung: Führungskräfte müssen Leistung und Zusammenarbeit nicht über Präsenz absichern, sondern über Klarheit, Vertrauen und bewusste Beziehungsarbeit.

Homeoffice ist kein Performanceproblem, sondern eine Führungsaufgabe

Die Rückkehrdebatte rund um Büropräsenz wird häufig als Vertrauensfrage geführt. Die Gesprächspartner differenzieren jedoch: In der Praxis seien Leistungseinbußen im Homeoffice meist nicht das Kernproblem. Vielmehr gehe es darum, die Stärken digitaler Zusammenarbeit mit den Qualitäten persönlicher Begegnung zu verbinden.

Lars Lange beschreibt den Anspruch als ausgewogene Arbeitsorganisation. Nicht jede Tätigkeit lässt sich gleich gut ortsunabhängig erledigen. Während einige Aufgaben Konzentration und ungestörtes Arbeiten erfordern, profitieren andere von direktem Austausch, spontanen Gesprächen und gemeinsamer Entwicklung. Bei HanseMerkur entscheiden deshalb die Bereiche selbst, welches Verhältnis von mobilem Arbeiten und Präsenz für ihre Aufgaben sinnvoll ist.

Steffen Rohr warnt zugleich davor, Präsenzpflichten als schnelle Antwort auf unklare Probleme zu verstehen. Unternehmen sollten zuerst analysieren, ob tatsächlich ein Performance-, Vertrauens- oder Verbundenheitsproblem vorliegt. Erst dann lässt sich gezielt handeln. Wer vorschnell Einzelne verantwortlich macht, tappt leicht in die Personalisierungsfalle und übersieht strukturelle Ursachen.

Hybride Führung erhöht zudem die Komplexität: Führung findet heute analog, virtuell und in gemischten Konstellationen statt. Gerade hybride Meetings, bei denen ein Teil des Teams vor Ort und ein anderer digital zugeschaltet ist, verlangen mehr methodische und kommunikative Kompetenz. Büropräsenz kann diese Aufgabe erleichtern, ersetzt aber keine zeitgemäße Führung.

Erwartungen austauschen, Beziehungen bewusst gestalten

Vertrauen entsteht nicht durch Appelle, sondern durch nachvollziehbare Erwartungen und verlässliche Kommunikation. Führungskräfte müssen deutlich machen, welche Ergebnisse, Rollen und Beiträge sie erwarten. Gleichzeitig benötigen sie Transparenz darüber, ob Ziele erreicht werden und wo Unterstützung notwendig ist.

„Wir brauchen, glaube ich, in Zukunft nicht nur Erfahrungsaustausch, sondern Erwartungsaustausch.“ – Lars Lange

Dieser Erwartungsaustausch schafft Orientierung, unabhängig davon, ob Mitarbeitende im Büro oder remote arbeiten. Er setzt aber voraus, dass Rollen geklärt, Ziele überprüfbar und Rückmeldungen möglich sind. Vertrauen bedeutet dabei nicht, auf Steuerung zu verzichten. Es bedeutet, Mitarbeitenden zunächst Zuversicht entgegenzubringen, Ergebnisse gemeinsam zu reflektieren und bei Abweichungen konstruktiv ins Gespräch zu gehen.

Besonders wichtig ist die Beziehungsarbeit. In virtuellen Arbeitsumgebungen entstehen informelle Begegnungen nicht mehr automatisch an der Kaffeemaschine oder auf dem Flur. Führungskräfte müssen Kontaktpunkte daher aktiv schaffen. Dabei geht es nicht um eine künstliche Nähe oder bloße Rituale, sondern um echtes Interesse an Arbeitszielen, Entwicklungsperspektiven und Hindernissen der Mitarbeitenden.

„Ohne Kontakte keine Beziehung, ohne Beziehung keine Verbundenheit, gegebenenfalls kein Vertrauen.“ – Steffen Rohr

Für Führungskräfte ergibt sich daraus ein unmittelbar umsetzbarer Impuls: eine gute Frage stellen und aufmerksam zuhören. Etwa: Was beschäftigt Sie gerade? Woran arbeiten Sie? Was hindert Sie daran, Ihre Aufgabe gut zu erfüllen? Oder: Was kann ich als Führungskraft dafür tun? Solche Gespräche stärken nicht nur die individuelle Bindung, sondern verbessern auch die Voraussetzungen für gemeinsame Leistung.

Die Führung der Zukunft braucht nach Ansicht der Gesprächspartner keine vollständig neue Definition. Sie braucht jedoch mehr Selbstreflexion. Führungskräfte sollten regelmäßig prüfen, ob ihr Führungsverhalten noch zur Aufgabe, zur Organisation und zur Arbeitsrealität ihres Teams passt. Mit dem Einsatz von KI-Agenten könnten künftig zudem neue Führungsaufgaben entstehen. Umso wichtiger bleibt die Fähigkeit, menschliche Beziehungen und Zusammenarbeit bewusst zu gestalten.

Mit dem Podcast Versicherung 360 wollen wir den Expertenaustausch auf eine neue Ebene heben und die Themen, die Trends und die Zukunft der Versicherungsbranche diskutieren. Regelmäßig, immer aktuell und natürlich bei allen großen Streaming-Anbietern zu abonnieren.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören der Folge.