So gesund sind die Deutschen

Im Beitrag fassen wir spannende Zahlen zur Gesundheit der Deutschen in den letzten Jahren und unter Einfluss der Corona-Pandemie zusammen.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Produktmanagement
Themen:
Gesundheit Krankenversicherung
So gesund sind die Deutschen

Ersten Prognosen des Statistischen Bundesamts zufolge wurden im Jahr 2020 in Deutschland 425,1 Milliarden EUR für Gesundheit ausgegeben. Das sind 14,3 Milliarden EUR oder 3,5 Prozent mehr als im Jahr 2019. Gesetzliche Krankenversicherer sind auch weiterhin der größte Ausgabenträger im deutschen Gesundheitssystem – 58 Prozent, also knapp 242,5 Milliarden EUR, leisteten die Krankenkassen 2020. Auf die privaten Krankenversicherer entfielen etwa acht Prozent der Ausgaben. Wie hoch der „coronaspezifische“ Anteil jedoch ausfiel, ist bislang schwer zu ermitteln, da noch keine detaillierten Daten für die Ausgabenträger vorliegen, so das Statistische Bundesamt.

Insgesamt kann die PKV auf ein stabiles Geschäftsjahr 2020 zurückblicken. Zum dritten Jahr in Folge wechselten mehr Menschen von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung als umgekehrt. Während ca. 124.500 PKV-Versicherte diese in Richtung GKV verließen, kamen 145.000 Vollversicherte aus der GKV hinzu, das entspricht einem Plus von 20.500 Versicherten. Insgesamt konnten die Versicherer im Gesamtbestand der Versicherten ein Wachstum von fast zwei Prozent verzeichnen.

Vor allem psychische Erkrankungen haben in den letzten Jahren zugenommen

Auch wenn aufgrund der seit 2009 in Deutschland geltenden allgemeinen Krankenversicherungspflicht nahezu jeder Bürger bei einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung versichert ist, traf dies 2019 auf etwa 61.000 Menschen nicht zu. Diese hatten auch keinen sonstigen Anspruch auf eine Krankenversorgung. Gegenüber 2015 ging diese Zahl jedoch bereits um 23 Prozent zurück, so das Statistische Bundesamt.

Dass eine Krankenversicherung wichtig ist, wird spätestens mit dem Blick auf den Gesundheitszustand der Deutschen deutlich: Zwar steigt die Lebenserwartung von Neugeborenen hierzulande kontinuierlich an – für Mädchen beträgt sie derzeit rund 83 Jahre bzw. etwa 79 Jahre für Jungen – allerdings steigt damit auch die Wahrscheinlichkeit, im Laufe der Zeit Erkrankungen und Verletzungen bewältigen zu müssen. Die pandemie-bedingt außergewöhnlich hohen Sterbefallzahlen führten zudem dazu, dass die Entwicklung der Lebenserwartung 2020 nicht wie üblich um je durchschnittlich 0,1 Jahre anstieg, sondern nahezu stagnierte.

Wie viele Erwerbstätige aufgrund von Krankheit an einem Kalendertag durchschnittlich nicht arbeiten können, gibt die Kenngröße „Krankenstand“ an. 2020 lag dieser Wert in der GKV bei rund 4,1 Prozent. Für 2021 wird aufgrund der weggefallenen Erkältungssaison jedoch ein neuer Tiefstwert erwartet – das erste Halbjahr kommt auf einen Wert von 3,7 Prozent.

Gravierend fällt im Krankenstand besonders die Zahl der psychischen Erkrankungen ins Gewicht. Im Vergleich zu 2010 gab es im Corona-Jahr 2020 mit rund 265 Fehltagen je 100 Versicherte einen Anstieg von 56 Prozent, so der Psychoreport der DAK-Gesundheit. Die Zahl der Depressionsdiagnosen bleibt dabei ähnlich hoch wie 2019. Auffällig sind viel mehr die um acht Prozent gestiegenen Diagnosen von Anpassungsstörungen, was mitunter durchaus auf die pandemie-bedingten Umstände zurückführbar ist. Insgesamt sind Frauen anfälliger für psychische sowie chronische Erkrankungen als Männer, im Alter steigt das Risiko zudem weiter an.

Gesundheit Deutschland

Vorsorgeuntersuchungen und Bewegung während Pandemie vernachlässigt

Während der Eindämmungsmaßnahmen in der Corona-Pandemie machten sich die Deutschen nicht nur seltener auf den Weg ins Büro, auch die Arztpraxen waren in dieser Zeit weniger stark besucht als gewöhnlich. Zu diesem Schluss kommt die vom Robert-Koch-Institut durchgeführte Studie „Gesundheit in Deutschland“ (GEDA-EHIS), deren Daten auf einen deutlichen Rückgang der Inanspruchnahme von allgemein- und fachärztlichen Leistungen schließen lassen. Allerdings erreichten die Werte bereits ab Juli 2020 nahezu wieder das Niveau der Vergleichsmonate des Vorjahres. Diese Trendwende war wichtig, denn durch aufgeschobene Vorsorgeuntersuchungen werden ernsthafte Erkrankungen verspätet und schlimmstenfalls zu spät erkannt.

Ebenfalls Anlass zur Sorge bietet die körperliche Konstitution der Bevölkerung, die sich in Bezug auf den Body-Mass-Index (BMI), also das Verhältnis von Körpergröße und -gewicht, während der Pandemie weiter verschlechtert hat. Das RKI hat für den Zeitraum April bis August 2020 einen adjustierten, mittleren BMI von 26,4 ermittelt – ab einem Wert von 25 spricht man von Übergewicht.

Der Anteil übergewichtiger und adipöser Menschen stieg in Deutschland allerdings bereits vor der Krise und dem durch Homeoffice und eingeschränkte Sportmöglichkeiten begünstigten Bewegungsmangel kontinuierlich an. Die gesundheitlichen Folgen, wie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, sind auch für Krankenversicherer beunruhigend. Entsprechend häufig bieten sie ihren Kunden bewegungsfördernde Zusatzleistungen und Bonusprogramme an.

Um die Gesundheit der Bevölkerung vor allem mit Blick auf zukünftige Pandemien empirisch besser beurteilen und schützen zu können, hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) auf der Website krankheitslage-deutschland.de für 18 gängige Erkrankungen wie Herzinfarkte und Alzheimer das Betroffenheitsrisiko nach Bevölkerungsgruppen und Regionen aufgeschlüsselt. Das Projekt läuft in Zusammenarbeit mit dem RKI und dem Umweltbundesamt unter dem Titel „BURDEN 2020“.

Ausgaben steigen unter dem Einfluss der Pandemie weiter an

Das zweite Jahr in Folge wurden die Gesundheitsausgaben von 400 Milliarden EUR überschritten, nachdem erst im Jahr 2012 die 300-Milliarden-Euro-Grenze erreicht worden war. 2019 lag der Anteil der Gesundheitsausgaben, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, bei knapp zwölf Prozent.

Wie hoch der „coronaspezifische Anteil“ an den Schätzwerten ausfällt, sei derzeit noch nicht klar, so das Statistische Bundesamt. Zu den wenigen Ausnahmen zählen beispielsweise die Ausgaben von knapp 1,6 Milliarden EUR aus der Liqui­ditätsreserve des Gesundheitsfonds, die teilweise durch den Bund erstattet werden. Diese Ausgaben setzen sich hauptsächlich aus drei Bereichen zusammensetzen (vorläufige Daten): Ausgleichszahlungen an die Krankenhäuser für die Bereitstellung von intensivmedizinischen Betten und Beatmungsgeräten (700 Millionen), Schutzmasken nach der Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung (491 Millionen) sowie Tests – etwa in Gesundheitsämtern, Testzentren oder Reihentests (286 Millionen). Weitere coronaspezifische Ausgaben in Höhe von 419 Millionen EUR seien für Tests angefallen, die bei der vertragsärztlichen Versorgung durchgeführt wurden, sowie 731 Millionen EUR pandemiebedingte Erstattungen für außerordentliche Aufwendungen in der Pflege.

 

Der Artikel ist ein Ausschnitt aus unserem Themendossier "Zahlen & Fakten zur Krankenversicherung".  Das Themendossier kann von unseren Forenpartnern kostenlos abonniert werden.