InsurTechs – Innovative Goldesel oder überschätzte Schaumschläger?

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Strategie & Innovation
Themen:
Innovationen
InsurTechs – Innovative Goldesel oder überschätzte Schaumschläger?

InsurTechs versetzen die Versicherungsbranche in Aufruhr, sollte man zumindest meinen. Schließlich lässt sich derzeit kaum ein Fachtext finden, ohne dass die kooperativen, inkrementellen oder gar vermeintlich disruptiven Geschäftsmodelle der neuen Mitspieler intellektuell auseinandergenommen werden, wobei die Bewertungen innerhalb der Branche weit auseinandergehen. Die einen sehen die jungen Markteilnehmer als revolutionäre und innovative Goldesel, welche das Potenzial haben, die Assekuranz in ihren Grundmauern zu erschüttern, andere bewerten sie schlicht als überschätzte Schaumschläger, mit ineffizienten Geschäftsmodellen und unausgereifter Technologie, denen es an Nachhaltigkeit und Mehrwert mangelt. Wie so oft liegt die Wahrheit wohl zwischen schwarz und weiß oder was denken Sie?

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Innovative und neue Unternehmen sind gut und der Markt benötigt sie

InsurTechs kochen auch nur mit Wasser

Schaut man sich die aktuell auf dem deutschen Versicherungsmarkt bekannten Start-ups an, fällt auf, dass der Großteil der Markteilnehmer nicht hochgradig innovativ unterwegs ist. Vielmehr handelt sich bei der Mehrheit der InsurTechs um Makler bzw. Mehrfachvertreter, die bestehende Geschäftsmodelle aufgreifen und mittels digitaler Prozesse nutzerzentriert(er) anbieten – sei es in Form eines digitalen Versicherungsordners (Knip, Clark, Asuro…), situativem Versicherungsschutz (Schutzklick, Appsichern, Onlineversicherung.de…) oder eines Vergleichsportals (Finanzchef24, passt24… ). Die oftmals fehlende Skalierbarkeit der einzelnen Angebote sowie auch die Notwendigkeit eines Alleinstellungsmerkmals stellen dabei die elementaren Herausforderungen dar, denen viele der jungen Unternehmen langfristig nur mit immensem Kapitalaufwand (für digitalisierte Prozesse und intensives Marketing) erfolgreich begegnen können. Die Würfel sind somit noch längst nicht gefallen, welches der Start-ups zukünftig erfolgreich am Markt bestehen kann.

Versicherungen können alles, was Start-ups können (und mehr) – machen aber nichts daraus

Versicherungsunternehmen haben bereits heute vorrätig, was sich die meisten Start-ups nur erträumen können: hohe Kapital- und Personalressourcen, eine etablierte Marke, Skalierbarkeit und eine schier unbegrenzte Menge an Kundendaten. Jedes der bisher bekannten InsurTech-Geschäftsmodelle könnten Versicherungsunternehmen in der aktuellen Marktform eigenständig anbieten und sogar – durch die konsequente Verzahnung mit den originären Kernbereichen der Assekuranz – vergleichsweise einfach um zusätzliche Leistungsbestandteile erweitern. Dass sie es jedoch nicht tun und somit den Start-ups ein Einfalltor in den Markt bieten, liegt vornehmlich an einer fehlenden Innovationskultur sowie insbesondere dem oftmals fehlenden Verständnis für die Bedürfnisse des Kunden. Diese Ausgangslage bildet das entscheidende Differenzierungsmerkmal der InsurTechs und nicht – wie oftmals angenommen – ein überragendes neues Produkt oder ein effizienter Prozess. Mit ihrer kundenzentrierten Denkweise versuchen Start-ups stets ein individuell erlebtes Problem – unter dem unumstößlichen Mantra der Kundenzufriedenheit – zu lösen, während Versicherungsunternehmen, durch ihre intensive Personal-, Prozess- und IT-Landschaft komplexer aufgestellt, innovative Ansätze stets aus Machbarkeits- und Rentabilitätsaspekten sowie aus ihren historisch geprägten Entscheidungsgrundsätzen („Das haben wir noch nie so gemacht“) bewerten.

Der Kundenkontakt ist kriegsentscheidend

Versicherungsunternehmen wird es noch sehr lange geben – daran werden auch die aktuellen InsurTechs nichts ändern. So weit so gut. Das eigentliche Problem liegt jedoch darin, dass die Geschäftsmodelle der InsurTechs in keiner Weise auf eine Übernahme der originären Kernkompetenzen (Risikomanagement, Schadenregulierung, Kapitalanlagemanagement) der Versicherungsunternehmen abzielen, sondern versuchen, diese in der Wertschöpfungskette permanent vom Kunden zu trennen. Versicherungsunternehmen haben dann nur noch die Rolle des reinen Risikoträgers inne, der keinerlei Kontakt mehr zu den Kunden hält, und lediglich als Servicedienstleister für diejenigen Unternehmen fungiert, die die Kundenschnittstelle besetzen. Start-ups verstehen es, durch ihre Kundenfokussierung, sich in der hochgradig profitablen Position zwischen Angebot und Nachfrage zu platzieren. Vorgemacht haben dies bereits etablierte Player in anderen Branchen z. B. HRS im Hotelwesen, Amazon im Einzelhandel oder Google in der Informationsdistribution. Wer eine solche Nische besetzt, besitzt den Kunden und kontrolliert langfristig auch den Markt.

 

Ich hoffe, ich konnte deutlich machen, dass meiner Meinung nach die Welt nicht schwarz oder weiß ist. Es gibt für alle Marktteilnehmer viele Chancen, die aktuelle Marktsituation positiv zu nutzen und aktiv zu gestalten, aber eben auch Risiken, den Aufsprung zu verpassen – Lesen Sie dazu doch einmal das Interview mit Kari Tuuti, Firmensprecher von Nokia, aus dem Jahr 2007.

Der Appell an alle Versicherungsunternehmen kann daher nur sein: Seien Sie offen für Neues, hinterfragen Sie Ihre bestehenden Unternehmensgrundsätze und Leistungen, beobachten Sie den Markt, behalten Sie berechtigte Zweifel, kooperieren Sie mit spannenden Partnern und wagen Sie endlich etwas!

 

Was sehen Sie in InsurTechs – Innovative Goldesel oder überschätzte Schaumschläger?


 

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