Achtsamkeit statt Autopilot: Ein neuer Blick auf Führung in der Versicherungsbranche

Eine Umfrage der Versicherungsforen Leipzig zeigt: Führungskräfte lieben ihren Job, fühlen sich aber oft überfordert – Prof. Dr. Sabine Brunner erklärt beim Leadership Camp 2026, wie Achtsamkeit dabei hilft.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Betrieb & Organisation
Themen:
Leadership / Führung Arbeitswelten/NewWork
Achtsamkeit statt Autopilot: Ein neuer Blick auf Führung in der Versicherungsbranche

Führungskräfte in der Versicherungsbranche stecken in einem Widerspruch: Sie mögen ihren Job, sind ihm aber gleichzeitig nicht immer gewachsen. Das zeigt eine Kurzumfrage der Versicherungsforen Leipzig unter 171 Beschäftigten der Branche, die im Frühjahr 2025 veröffentlicht wurde. Genau an diesem Punkt setzt Prof. Dr. Sabine Brunner an, Professorin für Human Resource Management an der Fachhochschule Erfurt und Keynote-Speakerin beim Leadership Camp der Versicherungsforen Leipzig vom 6. bis 7. Oktober 2026 in Leipzig. Ihr Vortrag trägt den Titel „Selbstwirksamkeit und Selbststeuerung als Basis wirksamer Führung” und dreht sich um Achtsamkeit als Führungsstärke.

Was damit gemeint ist und was die Zahlen aus der Branche dazu sagen, verraten der Beitrag und das kurze Videointerview mit der Expertin.

Führungsalltag in Versicherungen: Was die Zahlen aus der Branche zeigen

Die Umfrage „Führung in Versicherungsunternehmen” wurde zwischen September und Dezember 2024 durchgeführt, 98 Prozent der Teilnehmenden stammen aus der Versicherungswirtschaft, 44 Prozent von ihnen sind selbst Führungskräfte. Das Bild, das dabei entsteht, ist auf den ersten Blick positiv: 60 Prozent der Mitarbeitenden sind mit der Führung durch ihre direkte Führungskraft zufrieden oder eher zufrieden, der Mittelwert liegt bei 3,67 von 5 möglichen Punkten.

Ein positives Signal also, wenn man berücksichtigt, dass die Führungskräfte sich den vielfältigen Aufgaben nicht immer gewachsen fühlen. Die Mehrheit (66 Prozent) der Führungskräfte gab in der Studie an, dass zu viele Aufgaben es ihnen unmöglich machen, ihre eigentliche Führungsrolle so auszufüllen, wie sie es sich wünschen würden. Fast die Hälfte fühlt sich im Alltag gestresst, ein ähnlich großer Teil sieht sich von wichtigen Aufgaben abgehalten und stattdessen mit Kleinteiligem beschäftigt. Bemerkenswert dabei: Gleichzeitig bereitet die Führungstätigkeit den meisten sichtlich Freude. Auf einer Skala von 1 bis 10 liegt der Mittelwert bei 8,16, 80 Prozent vergeben mindestens eine 8. Führung macht also Spaß und überfordert zugleich – ein Spannungsfeld, das erklärt, warum Themen wie Selbstreflexion und bewusste Präsenz gerade jetzt an Bedeutung gewinnen.

Achtsamkeit als Antwort auf den Führungsalltag in Versicherungen

Genau zu diesem Spannungsfeld aus hoher Belastung und echtem Engagement spricht Sabine Brunner mit ihrer Keynote beim Leadership Camp. Auf die Frage, was achtsame Führung eigentlich bedeutet, antwortet die Expertin im Interview:

„Achtsamkeit bedeutet Bewusstheit, und Bewusstheit heißt, dass ich mir gewahr bin über diesen gegenwärtigen Moment. […] Meist ist es ja so, dass wir viel im Autopilot sind, einfach funktionieren, und am Ende des Tages müde sind und nicht mal wiederholen können, was wir eigentlich heute wirklich erlebt haben.”

Genau dieses Prinzip, Selbststeuerung statt Autopilot, ist auch einer der zentralen Schwerpunkte ihres Vortrags beim Leadership Camp. Daneben behandelt sie Fokus statt Reizüberflutung, präsente Stärke im Umgang mit Menschen sowie Authentizität und Klarheit als Führungsqualitäten.

Auf Führung übertragen bedeutet Achtsamkeit laut Sabine Brunner, wieder genauer wahrzunehmen, was im eigenen Denken, im Körper und im Team gerade wirklich geschieht, statt reflexhaft zu reagieren. Wer präsent und entscheidungsfähig bleibe, gewinne am Ende mehr Glaubwürdigkeit, bessere Entscheidungsqualität und mehr Vertrauen im Team.

Warum das gerade jetzt so dringlich ist, begründet sie mit dem spürbar gestiegenen Druck im Berufsleben: Nach ihren Angaben fühlen sich rund 97 Prozent der Berufstätigen in Deutschland stark gestresst, burnoutbedingte Fehltage seien in den vergangenen zehn Jahren um etwa 84 Prozent gestiegen. Dieser Druck wirke doppelt, so Brunner: Führungskräfte prägten mit ihrem Verhalten maßgeblich, ob Mitarbeitende im Unternehmen bleiben oder gehen, gleichzeitig habe sich der Druck auf die Führungskräfte selbst in den vergangenen Jahren spürbar verstärkt.

Zwei Blickwinkel, ein gemeinsamer Befund: Führung in der Versicherungsbranche braucht mehr Präsenz

Interview und Studie ergänzen sich an dieser Stelle auffällig gut. Während die Versicherungsforen-Umfrage die strukturelle Seite des Problems zeigt, liefert Sabine Brunner mit dem Konzept der achtsamen Führung einen persönlichen Ansatzpunkt: mehr Präsenz im Moment, weniger Autopilot, bewussteres Wahrnehmen von Team und eigenen Grenzen. 

Wie sich das im Führungsalltag konkret umsetzen lässt, darauf geht Sabine Brunner in ihrem vollständigen Vortrag beim Leadership Camp ein, das vom 6. Oktober bis zum 7. Oktober 2026 in Leipzig stattfindet. Die Veranstaltung der Versicherungsforen Leipzig widmet sich unter dem Motto „Moderne Führung” genau den Fragen, die auch die aktuelle Studie aufwirft: Wie viel Verantwortung lässt sich teilen, wie viel Wertschätzung kommt tatsächlich an, und wie bleiben Führungskräfte trotz hoher Belastung entscheidungsfähig und präsent?

Zur Studie     Zum Leadership Camp

Quellen: 

  • Interview mit Prof. Dr. Sabine Brunner, Professorin für Human Resource Management an der Fachhochschule Erfurt
  • Studie “Führung in Versicherungsunternehmen”, Versicherungsforen Leipzig, Kurzumfrage-Reihe zu Future Work, September bis Dezember 2024, N = 171.