Transformation als Daueraufgabe: Warum Versicherer zwischen Anspruch und Wirklichkeit ringen
Versicherer stehen mitten in der Transformation. Eine Studie zeigt, warum Technologie zum Treiber wird und welche Lücken bei Klarheit, Ressourcen und Führung bestehen.
Transformation ist für Versicherungsunternehmen längst kein zeitlich begrenztes Projekt mehr. Sie wird zum dauerhaften Organisationszustand. Die Studie „Transformation in Versicherungsunternehmen: Scheitern, wachsen, profitieren“ zeigt, wie die Branche diesen Wandel wahrnimmt, wo sie steht und welche Herausforderungen die Umsetzung bremsen.
Die Online-Untersuchung wurde zwischen September und Dezember 2025 mit 172 Teilnehmenden aus der Versicherungsbranche durchgeführt. Sie verfolgt ein doppeltes Ziel: Zum einen bildet sie die Wahrnehmung und den Status quo des Wandels ab. Zum anderen schärft sie den Transformationsbegriff, der in der Fachliteratur und im betrieblichen Sprachgebrauch unterschiedlich verwendet wird.
Die Ergebnisse zeigen ein klares Verständnis von Transformation. 55 Prozent der Befragten definieren sie als ganzheitlichen, langfristigen Wandel. Eine grundlegende Neuausrichtung der Unternehmensstrategie folgt mit deutlichem Abstand bei 14 Prozent. Die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells und die Anpassung an neue Marktbedingungen erreichen jeweils vier Prozent.
Technologische Entwicklungen erhöhen den Transformationsdruck
Bei den Treibern für Transformationsprozesse steht der technologische Fortschritt mit 30 Prozent an erster Stelle. Es folgen Effizienz- und Kostendruck mit 19 Prozent sowie regulatorische Anforderungen mit 18 Prozent.
Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung erreichen neun Prozent. Wettbewerb kommt auf fünf Prozent, Innovationsdruck aus der Belegschaft auf zwei Prozent. Diese Themen spielen damit eine deutlich geringere Rolle als technologische und wirtschaftliche Faktoren.
Auch bei der Frage nach dem wichtigsten Transformationsbereich zeigt sich die wachsende Bedeutung von Technologie. Das technologisch-digitale Feld steigt in der Einschätzung der Befragten von 29 Prozent heute auf 55 Prozent in der Zukunft. Der kulturelle Bereich bleibt bei 19 Prozent, während der strategische Bereich von 15 auf sieben Prozent sinkt.
Technologie wird damit vom Werkzeug zur zentralen Gestaltungsachse der Transformation. Die Befragten erwarten, dass technologische Entwicklungen den Veränderungsdruck in den kommenden Jahren weiter erhöhen.
Transformation in Versicherungsunternehmen: Die Pilotphase dominiert
Die meisten Unternehmen befinden sich nach eigener Einschätzung mitten im Transformationsprozess. 45 Prozent der Befragten verorten ihr Unternehmen in der Pilotphase mit ersten Umsetzungsschritten. 30 Prozent sehen bereits eine breite unternehmensweite Umsetzung.
Elf Prozent befinden sich noch in Planung und Konzeption, neun Prozent in der Ideenfindung. Nur fünf Prozent sehen ihr Unternehmen in einer kontinuierlichen Weiterentwicklung nach weitgehend abgeschlossener Transformation.
Die Versicherungsbranche ist damit flächendeckend in Bewegung. In den meisten Unternehmen ist der Wandel jedoch noch nicht so weit fortgeschritten, dass er zur etablierten Routine geworden ist.
Die Klarheitslücke zwischen Mitarbeitenden und Organisation
Die aufschlussreichste Erkenntnis der Studie zeigt sich bei der Wahrnehmung von Klarheit. 49 Prozent der Befragten sehen für sich selbst sehr viel Klarheit über das Warum der Transformation. Für das gesamte Unternehmen schätzen sie diesen Wert auf lediglich sechs Prozent.
Beim Zielbild zeigt sich ein ähnliches Muster. 16 Prozent fühlen sich persönlich vollständig über die Zielrichtung der Transformation informiert. Zusammen mit der nächsttieferen Stufe erreichen 46 Prozent eine hohe persönliche Klarheit.
Mit wachsender Distanz zur eigenen Person nimmt die wahrgenommene Orientierung ab. Die Ergebnisse machen damit eine zentrale Führungsaufgabe sichtbar: Unternehmen müssen ein gemeinsames Verständnis von Anlass, Ziel und Richtung der Transformation schaffen.
Positive Erwartungen treffen auf begrenzte Ressourcen
Die persönliche Haltung gegenüber dem Wandel ist überwiegend positiv. 26 Prozent der Befragten erwarten neue Aufgaben und mehr Verantwortung. 22 Prozent rechnen mit fachlicher Weiterentwicklung, 19 Prozent mit effizienterer oder interessanterer Arbeit.
Belastungen durch zusätzliche Aufgaben erwarten neun Prozent. Unsicherheit nennen fünf Prozent. Beide Aspekte bleiben damit deutlich in der Minderheit.
Auf Organisationsebene zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Die Voraussetzungen für erfolgreiche Transformationen sind bislang nur teilweise vorhanden. Auf einer Skala von null bis fünf erreicht die strategische Ausrichtung auf künftige Markt- und Kundenbedürfnisse mit 3,6 den besten Wert.
Die Führungskultur kommt auf 3,1. Skills und Mindset erreichen 2,9. IT-Plattformen sowie Strukturen und Prozesse liegen jeweils bei 2,8 und damit im mittleren Bereich.
Die Ergebnisse zeigen: Eine positive Haltung der Mitarbeitenden allein reicht nicht aus. Führung muss auch die organisatorischen Rahmenbedingungen für Veränderung verbessern.
Erfolgsfaktoren und Hindernisse der Transformation
Bei den Erfolgsfaktoren stehen offene Kommunikation und Transparenz mit 24 Prozent an erster Stelle. Es folgen eine klare Vision und Strategie mit 22 Prozent sowie die Einbindung der Mitarbeitenden mit 20 Prozent.
Auf der Hindernisseite stehen unklare Zielbilder mit 19 Prozent, die Überlastung durch das Tagesgeschäft ebenfalls mit 19 Prozent und organisationale Widerstände mit 18 Prozent.
Die Themen spiegeln sich damit auf beiden Seiten: Was Transformation unterstützt, fehlt häufig zugleich als Voraussetzung. Die Herausforderung liegt weniger in der Diagnose als in der Übertragung in konkrete Maßnahmen und Entscheidungen.
Führung schafft Orientierung für den Wandel
Transformation braucht mehr als neue Technologien und einzelne Pilotprojekte. Entscheidend sind ein gemeinsames Zielbild, eine tragfähige Führungskultur und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden.
Die vollständigen, grafisch aufbereiteten Ergebnisse der Kurzumfrage finden Forenpartner exklusiv im Downloadbereich.
Diese Themen stehen auch im Mittelpunkt der Lernreise „Future Leadership“, die am 22. September startet. Sie richtet sich an Führungskräfte, die Transformationsprozesse erfolgreich gestalten, organisationale Lücken schließen und Mitarbeitende wirksam durch den Wandel führen wollen.