Social-Media-Trends 2026 in der Versicherungswirtschaft: Zwischen KI-Kompetenz, Short-Form-Videos und strategischem Personal Branding

Social Media in Versicherungen 2026: Im Beitrag geben wir Einblick in aktuelle Kampagnen, Kommunikationstrends und Entwicklungen.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Vertrieb & Kunde
Themen:
Marketing Social Media Unternehmenskommunikation
Social-Media-Trends 2026 in der Versicherungswirtschaft: Zwischen KI-Kompetenz, Short-Form-Videos und strategischem Personal Branding

Am 10. und 11. März 2026 trafen sich Social-Media- und Marketing-Verantwortliche, im Rahmen des „Erfahrungsaustausch Social Media in Versicherungen“, in Leipzig. Die zwei Tage standen im Zeichen von Praxisbeispielen und dem Austausch unter Kolleginnen und Kollegen. Der Beitrag gibt einen Einblick in eine Auswahl an Impulsen.  

 
Social-Media-Trends 2026 bei den Versicherern: Fokus auf Short-Form, KI und strategisches Personal Branding 

Die Ergebnisse einer Branchenumfrage im Rahmen der Veranstaltung, an der sich 28 Expertinnen und Experten beteiligt haben, zeichnen ein klares Bild: Der digitale Fokus der Versicherer schärft sich deutlich. Während Instagram und LinkedIn das Feld dominieren, haben sich Short-Form-Videos mit einer Quote von 74 Prozent als Leitformat etabliert. Die meist kleinen Social-Media-Teams setzen verstärkt auf emotionale Markenführung. Strategische Corporate-Influencer-Programme sind dabei bereits bei fast der Hälfte der Unternehmen fest verankert. 

Der Einzug der künstlichen Intelligenz prägt die Branche nachhaltig: Über 80 Prozent der Befragten nutzen KI bereits punktuell bis aktiv für ihre Content-Erstellung. Parallel dazu gewinnen Barrierefreiheit und die Sichtbarkeit in KI-basierten Suchtools (GEO) rasant an Relevanz. Die Agenda für 2026 ist damit gesetzt: Prozessautomatisierung, der Sprung auf Plattformen wie TikTok oder Reddit und eine passgenaue Ansprache der jungen Generation sollen die Versicherungskommunikation zukunftsfähig machen. 

„The Lost Sense Experience“ – Mehr als Produktkommunikation 

Mit „The Lost Sense Experience“ verknüpfte die Zurich Gruppe Deutschland Produktkommunikation mit einem hochemotionalen Thema: dem Geruchsverlust von vier Millionen Menschen infolge von Corona. Denise Feist und Lisa Kohnen zeigten auf, wie dieser Fokus auf gesellschaftliche Relevanz die Markenwahrnehmung transformieren kann.  

„Versicherung bedeutet Engagement für Lebensqualität, mentale Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe.“ – Lisa Kohnen, Head of Brand Activation, Zurich Gruppe Deutschland 

„The Lost Sense Experience“ thematisierte den Verlust von Geruch und damit verbundenen Erinnerungen. Um hier fundierte Impulse zu setzen, basierte das Projekt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen: In Zusammenarbeit mit Experten wie Prof. Thomas Hummel vom Interdisziplinären Institut für Riechen und Schmecken am Universitätsklinikum Dresden wurde ein spezielles Riechtrainings-Kit entwickelt, mit dessen Hilfe Betroffene ihren Geruchssinn aktiv trainieren können. 

Um die wissenschaftlichen Inhalte greifbar zu machen, setzte die Zurich auf persönliche Erfahrungsberichte im Videoformat und ein zentrales Event am Berliner Kurfürstendamm. Die Kampagne zeigt, dass Marketing durch gesellschaftliche Relevanz echten Mehrwert bietet und so die Zielgruppenbindung nachhaltig stärken kann. 

DEVK-Kampagne – Präzise Zielgruppenkommunikation und natives Produktmarketing 

„Altersarmut ist weiblich“ – mit diesem Statement verdeutlichten Caroline Kramer und Daniel Fünger von der DEVK die Relevanz ihrer multimedialen Kampagne. Der Hintergrund ist die durchschnittliche Rentenlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland. Für die Kampagne nutzte die DEVK ihr Sponsoring beim 1. FC Köln, um den „Gender Pension Gap“ im Fußball sichtbar zu machen. Ziel war es, eine bestimmte Zielgruppe – in dem Fall fußballinteressierte junge Frauen – anzusprechen und sie für die Altersvorsorge sowie das Produkt „Zukunft Rente Plus“ zu sensibilisieren.  

Als Herzstück diente ein „snackable“ YouTube-Format, in dem Moderatorin Alina Merkau und Profispielerin Marina Hegering das Thema in vertrauter Atmosphäre mit echtem „Podcast-Feeling“ humorvoll aufbereiteten. Das gesellschaftliche Anliegen stand dabei bewusst im Fokus, während das Produkt „Zukunft Rente Plus“ nativ und authentisch eingebunden blieb. Mit diesem nahbaren Ansatz verfolgte die DEVK digitale Auffindbarkeit, gesteigerte Markenbekanntheit sowie ein hohes Maß an Vertrauen bei der Zielgruppe als zentrale Kampagnenziele.  

Im Vortrag gaben die beiden Experten zudem einen Einblick in die Umsetzung und die multimediale Vermarktung. So betonte Caroline Kramer, dass die Zusammenarbeit sehr unkompliziert und angenehm verlief, die Content-Inhalte aber unter großem Zeitdruck aufgenommen wurden, was nicht ungewöhnlich für die Zusammenarbeit mit Profispielerinnen und Profispielern ist. So standen gerade mal 1,5 Stunden für die Bild- und Videoaufnahme zur Verfügung.  

Kommunikationstrends 2026: Zwischen KI-Kompetenz und strategischer Flüchtigkeit 

In seinem Vortrag zu den Kommunikationstrends 2026 zeichnete Prof. Dr. Christian Pentzold ein präzises Bild einer Medienlandschaft, die sich an der Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und hochgradig flüchtigen Inhalten neu definiert. 

„KI umarmen, Sichtbarkeit durch Flüchtigkeit, Reichweite neu denken.“ – Prof. Dr. Christian Pentzold, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaften, Universität Leipzig 

Es kristallisieren sich drei zentrale Entwicklungsfelder heraus, die sowohl für Individuen als auch für Unternehmen entscheidend sein werden: 

  • „Newsskilling“ – KI als Sparringspartner: Der kompetente Umgang mit KI wird zur Schlüsselqualifikation. Die Nutzung von KI kann entweder zu einem Downskilling oder Upskilling führen – je nachdem, wie die Systeme genutzt werden. Komplette Aufgabenabgabe an KI-Systeme führt zu einem Downskilling. Wird KI hingegen als ein Sparringspartner genutzt, ist das Potenzial des Upskillings hoch. Entscheidend ist hierbei die metakognitive Steuerung der Technologie. (Hinweis: Zum Thema Metakognition haben wir auch ein kostenfreies Whitepaper im Angebot)  
  • Sichtbarkeit durch Flüchtigkeit: Flüchtige Formate wie Stories erzeugen eine neue Form von Authentizität. An die Stelle von perfekt inszeniertem Dauer-Content tritt eine transparente Kommunikation, die ihre Wirkung gerade aus dem Momenthaften zieht. Ein Trend ist hier beispielsweise das „Soft Launching“ – das bewusste Zeigen unfertiger Prozesse für mehr Nähe und Vertrauen. 
  • Reichweite neu denken – Fokus auf Tiefe: Die digitale Öffentlichkeit wird durch die vier Anerkennungsmodi Aufmerksamkeit, Resonanz, Loyalität und Engagement strukturiert, die den Weg vom bloßen Gesehenwerden hin zur tiefen Identifikation ebnen. Hierbei ermöglicht das „Paradox der Peripherie“ eine strategische Konzentration auf kleinere Teilöffentlichkeiten, um die Bindung zur Kerngruppe und das aktive Handeln gezielt zu steigern. 

Die Veranstaltung bot viele weitere Highlights: Diskussionen über Corporate Influencer, kanalspezifischen Bewegtbild-Content oder die Rolle von Reddit in der KI-Suche. Bärbel Büttner und Philipp Rothmann von den Versicherungsforen Leipzig gaben praxisnahe Einblicke in den Umgang mit KI-Personas und KI-Avataren, während Nadine Marquardt mit der Financial-Literacy-Studie einen Einblick in die Finanzbildung der Gen Z gab. 

Danke an alle Teilnehmenden und Referierenden für die wertvollen Impulse und den lebendigen Austausch! Wir freuen uns jetzt schon auf den 9. Erfahrungsaustausch Social Media in Versicherungen am 11. und 12. März 2027.