DeepFakes und Content Authenticity: Wenn Sehen nicht mehr Glauben bedeutet
Gefälschte Schadenfotos, manipulierte Gutachten: DeepFakes sind eine reale Betrugsgefahr, bei der klassische Prüfmethoden versagen. Unser Trendradar analysiert die Risiken, erklärt technische Antworten wie Content Authenticity und zeigt die Konsequenzen für Versicherer auf.
Ein gefälschtes Schadenfoto, ein manipuliertes Gutachten, eine KI-generierte Stimme, die am Telefon eine Überweisung autorisiert: Was technisch aufwendig klang, ist heute bereits mit kostenlosen Tools in wenigen Minuten möglich. DeepFakes sind in der Versicherungswirtschaft angekommen. Modelle wie Stable Diffusion oder spezialisierte Audio-Tools ermöglichen es, überzeugende Schadensfotos, gefälschte Ausweisdokumente oder realistische Sprachaufnahmen zu erzeugen, ohne technisches Vorwissen. Die Qualität dieser Werkzeuge hat sich in den letzten zwei Jahren sprunghaft verbessert, und die Verbreitung wächst entsprechend schnell.
DeepFakes als Betrugsrisiko für Versicherer
In der User-Group-Befragung 2025 der Versicherungsforen Leipzig wurde im Bereich Schaden- und Betrugsmanagement explizit „Betrug mit KI-generierten Inhalten" als dringliches Diskussionsthema benannt.
Konkret heißt das:
- Schadenfotos, die einen Unfall oder Brand zeigen, der nie stattgefunden hat.
- Medizinische Unterlagen, die mit KI erstellt oder nachträglich verändert wurden.
- Identitätsdokumente, die beim Vertragsabschluss gefälscht eingereicht werden.
- Voice-Cloning, bei dem die Stimme einer Führungskraft imitiert wird, um intern Zahlungen freizugeben.
All das sind keine hypothetischen Szenarien, sondern Betrugsformen, die Versicherer und Forensiker heute bereits dokumentieren.
Besonders problematisch ist, dass die bisherigen Prüfmethoden oft nicht greifen. Eine geschulte Sachbearbeiterin erkennt ein schlecht retuschiertes Foto. Ein mit Stable Diffusion generiertes Bild eines Wasserschadens ist dagegen kaum von einer echten Aufnahme zu unterscheiden. Das verändert das Betrugsbild grundlegend: Wo bisher Gelegenheitstäter scheiterten, senkt KI die Hemmschwelle so weit, dass auch aufwendigere Szenarien für viele denkbar werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Compliance und IT-Sicherheit: 64,3 Prozent der Befragten aus dem Bereich Recht und Compliance nannten Cybersecurity und Datenschutz als ihre größte Herausforderung. Dabei verschärfen DeepFakes diesen Druck in zwei Richtungen: nach außen, weil Betrugsversuche schwerer zu erkennen sind, und nach innen, weil auch Unternehmen selbst Ziel von Manipulation werden können.
Content Authenticity als technische Antwort
Die Gegenbewegung zu DeepFakes nennt sich Content Authenticity. Der wichtigste technische Standard dafür ist C2PA, entwickelt von der Coalition for Content Provenance and Authenticity, der unter anderem Adobe, Microsoft, Google und Sony angehören. C2PA ermöglicht es, in Mediendateien eine kryptografische Signatur einzubetten, die dokumentiert, wann und wo eine Aufnahme entstanden ist und welche Bearbeitungsschritte seitdem stattgefunden haben. Kameras, die diesen Standard unterstützen, sind bereits erhältlich. In der Schadenaufnahme vor Ort könnte das mittelfristig zum Standardverfahren werden, ähnlich wie digitale Zeitstempel heute schon in vielen Prozessen eingesetzt werden. Ergänzend schafft eIDAS 2.0 mit der European Digital Identity Wallet den regulatorischen Rahmen, um Identitätsnachweise kryptografisch abzusichern und gefälschte Dokumente im Antragsverfahren zu erschweren.
Auf der Produktseite entstehen außerdem neue Deckungsbedarfe. Unternehmen, deren Führungskräfte durch gefälschte Videos oder Audioaufnahmen in Misskredit gebracht werden, erleiden reale Reputations- und Vermögensschäden. Erste Versicherer in den USA und Großbritannien entwickeln bereits Deckungskonzepte für solche Szenarien. Auch für den deutschen Markt dürfte das mittelfristig relevant werden, je weiter die Technologie sich verbreitet und je mehr solche Fälle öffentlich bekannt werden. Der EU AI Act, der für synthetische Inhalte Kennzeichnungspflichten vorschreibt, und DORA, das Finanzunternehmen zu einem strukturierten Umgang mit digitalen Bedrohungen verpflichtet, setzen dafür den regulatorischen Rahmen.
Den Überblick behalten: Weitere Zukunftstrends im Blick
DeepFakes und Content Authenticity ist einer von 87 Subtrends, eingeordnet in 11 Megatrends, die von unseren fachlichen Experten identifiziert und geclustert wurden. Im Trendradar, dem Softwaretool für Trendscouting und Trendmanagement, sind diese mit ausführlichen Beschreibungen, Use Cases und Best Practices vorgestellt.
Mit dem Premium-Zugang erhalten Sie zusätzlich zu jedem Subtrend eine Übersicht an Treibern, Veränderungspotenzial und Konsequenzen sowie eine Einordnung entlang der Wertschöpfungsstufen für Versicherer. Mit der Premium-Plus-Lizenz können Sie einen eigenen Trendradar mit individueller Trendbewertung für Ihr Unternehmen erstellen.
Mehr Infos zum Trendradar – dem Werkzeug zur Gestaltung der Zukunft – finden Sie hier.
Zum Trendradar