Mobilität im Wandel

Während die Zahl der Verkehrstoten von Jahr zu Jahr sinkt (3.000 Verkehrstote 2019 vs. 11.300 Verkehrstote 1991), nimmt die Anzahl der Unfälle kontinuierlich zu – 2019 waren es rund 2,6 Millionen. Das größte Risiko dabei ist der Mensch: Er ist für 90 Prozent der Unfälle verantwortlich. Vieles spricht dafür, dass die Unfallzahlen mit dem Einzug von selbstfahrenden Autos stark zurückgehen werden. Doch viele, insbesondere juristische und ethische Fragen rund um das Thema autonomes Fahren sind noch nicht abschließend geklärt: Wer haftet bei einem Unfall? Wie können die Nutzerdaten ausreichend geschützt werden? Darf ein autonomes Fahrzeug eine einzelne Person gefährden, um eine Gruppe zu schützen? Und auch für die Kfz-Versicherung birgt das autonome Fahren neue Herausforderungen: Wie können Kfz-Haftpflicht-, Fahrzeug- und Unfallversicherung für autonom fahrende Autos aussehen? Autonomes Fahren ist jedoch nicht die einzige Veränderung, die die Mobilität der Zukunft und den Kfz-Versicherungsmarkt prägen wird. Elektromobilität ist auf dem Vormarsch, Wasserstoffbetriebene Fahrzeuge gewinnen zunehmend an Bedeutung, und Carsharing-Dienste verzeichnen einen konstanten Zuwachs. In meinem Beitrag möchte ich einen Einblick in die Mobilitätstrends geben

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Schaden & Leistung
Themen:
Personenschadenmanagement Mobilität
Mobilität im Wandel

Quellen: International Energy Agency (IEA) – Global EV Outlook 2020 | Kraftfahrt-Bundesamt |  Mobilität in Deutschland, Deloitte Research | PWC Mobility Transformation

 

Die Energiewende im Verkehr hat den deutschen Markt erreicht 

Im Zuge der Ausweitung der weltweiten Mobilität rücken vermehrt Nachhaltigkeitsaspekte und Überlegungen zu klimafreundlichen Alternativen in den Fokus. Elektromobilität gilt hier vielfach als Schlüssel – wesentliche Vorteile sind hier weniger Lärm und Emissionen sowie einer sinkenden Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Trotz Ausbau der Ladesäulen-Infrastruktur und Kaufprämien wurde das Ziel der deutschen Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen, nicht erreicht: Zum Stichtag am 1.1.2020 zählte das Kraftfahrt-Bundesamt 136.617 rein elektrisch betriebene Pkw.

Die Erhöhung der „Innovationsprämie“ und eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer brachte 2020 jedoch den von der Bundesregierung erhofften Schub: Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte mit 194.163 Elektrofahrzeugen eine um mehr als 200 Prozent gestiegene Zulassungsrate ermittelt. Insgesamt machten sie damit 6,7 Prozent der Neuzulassungen aus.

Mit der sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach Elektromobilität wird nun auch die Problematik einer unzureichenden Ladesäulen-Infrastruktur deutlich. Zwar sind laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft mit 33.000 Stück inzwischen ausreichend Ladepunkte verfügbar, jedoch ist der Anteil an Schnellladepunkten noch zu gering. Den höchsten Anteil an Schnellladern weist unter den Bundesländern mit mehr als 20 Prozent derzeit Sachsen auf.

Flexibel verreisen mit dem eigenen Wohnmobil 

Nicht nur die steigende Beliebtheit der Elektro-Fahrzeuge hat für eine Trendwende bei den Neuzulassungen gesorgt. Unter den Pkw-Segmenten verzeichneten die Wohnmobile, laut Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts, mit einem Plus von 41,4 Prozentpunkten den deutlichsten Zuwachs in der Jahresbilanz 2020.

Auch die Caravan-Branche hat zugelegt. 2020 wurden laut dem Caravaning Industrie Verband 6,1 Prozent mehr Anhänger neu zugelassen. Grund für den Boom der Freizeitfahrzeuge war – wie 2020 so oft – die Corona-Pandemie. Urlaubspläne wurden gecancelt, Hotels und Ferienwohnungen konnten nicht mehr genutzt werden. Das rollende Eigenheim stellte in diesem Fall eine attraktive Alternative dar. Nicht nur die bessere Handhabung der Hygiene-Maßnahmen, vor allem auch die Flexibilität und Unabhängigkeit überzeugten die Urlauber.

Dass der Camping-Trend von der Corona-Krise zwar vorangetrieben wurde, aber keinesfalls eine Randerscheinung derer ist, zeigt sich auch an einer Erhebung des Statistischen Bundesamts: 2019 wurden mit 35,8 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen gut 11 Millionen mehr als noch 2010 gezählt. Das spiegelt sich auch in der Zahl der Neuzulassungen von Wohnmobilen und Wohnwagen wider. Den zum Stichtag am 1.1.2020 insgesamt zugelassenen 589.354 Wohnmobilen (Kraftfahrt-Bundesamt) stehen dem Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge 225.000 Stellplätze auf etwa 3.000 Campingplätzen zur Verfügung.

Auch mit dem Fahrrad und dem Roller motorisiert unterwegs

Auch bei den Fahrrädern hat das Thema Elektromobilität für neue Trends gesorgt. E-Bikes sind inzwischen in 4,3 Millionen und damit in jedem neunten deutschen Haushalt vertreten, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Die Zahl ist damit fast drei Mal höher als noch 2015.

Seit dem 15. Juni 2019 fährt auch ein weiteres elektrisch betriebenes Fortbewegungsmittel auf den deutschen Straßen: der E-Scooter. Vor allem für Kurzstrecken in Großstädten eignen sich die motorisierten Roller, sie können in der Regel nach Gebrauch einfach abgestellt und von einer anderen Person genutzt werden. Die Klimafreundlichkeit des Fortbewegungsmittels bleibt insgesamt jedoch fragwürdig. Oft wird der Roller nicht wie angedacht statt eines Pkw, sondern für Strecken, die auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu bewältigen wären, genutzt.

Während der E-Scooter eine eher neuartige Erscheinung ist, stellt die aktuelle Beliebtheit des Fahrrads hingegen eine Art Renaissance dar.

In der Bevölkerungsumfrage des Fahrradmonitors 2020 (gefördert durch das BMVI) zeigte sich die Veränderung der Nutzungsgewohnheiten zu Pandemie-Zeiten besonders deutlich: Während das Fahrrad von 25 Prozent, und das Zu-Fuß-Gehen von 30 Prozent der Befragten häufiger genutzt wurde, verzeichnete der ÖPNV einen großen Einbruch: 32 Prozent gaben an, dass sie aktuell seltener den ÖPNV nutzen als noch im Vorjahr.

Wie sich diese Zahlen nach der Krise entwickeln werden, bleibt zunächst offen. Allerdings gibt eine Befragung von pwc Anlass zu vermuten, dass zumindest die Bereitschaft zur Fahrradnutzung vorhanden ist: 32 Prozent der Befragten wollen auch zukünftig häufiger mit dem Rad zur Arbeit fahren. 27 Prozent gaben das gleiche für Freizeit, Einkäufe und Erledigungen an.

Autonomes Fahren in deutschen Städten 2035

Die Automatisierung von Fahrzeugen kann anhand eines Modells in sechs Stufen eingeteilt werden, wobei Level 0 „keine Automatisierung“  und Level 5 „volle Automatisierung“ bedeutet. Die Verbreitung von Fahrzeugen mit Level-5-Automatsierung, bei denen kein Eingriff des Fahrers ins Fahrgeschehen mehr notwendig ist, untersucht eine Studie von Deloitte zur urbanen Mobilität im Jahr 2035.

Selbstfahrende Autos lassen neue Mobilitätsmodelle entstehen: Statt eines eigenen Fahrzeugs erwirbt der Kunde eine individuelle Mobilitätsdienstleistung. Das autonome Fahrzeug kann, nachdem es einen Passagier ans Ziel gebracht hat, alleine weiterfahren. Es braucht weder eine Pause noch einen Parkplatz. Aktuell zeichnet sich ab, dass Flottenbetreiber wahrscheinlich zwei Modelle anbieten werden: autonome Taxis (Einzelfahrten) und autonome Shuttles (eine Art Sammeltaxi).

Berechnungen der Deloitte-Studie zufolge wird es 2035 in deutschen Städten 740.000 autonome Taxis und Shuttles geben – die meisten davon in Berlin, München und Hamburg. Während autonomes Fahren im heutigen Mobilitätsmix noch keinen bedeutenden Anteil hat, sollen autonome Fahrten 2035 zusammen 32 Prozent der täglichen Mobilität in Städten ausmachen.

Die Studie prognostiziert ein durch autonomes Fahren um 30 Prozent erhöhtes Verkehrsaufkommen. Auch die mit dem Auto zurückgelegten Kilometer pro Person und Tag steigen laut der Prognose von 26,7 auf 32,9. Da die selbstfahrenden Flotten jedoch im Gegensatz zu PKWs in Privatbesitz nicht nur zwei- bis dreimal pro Tag, sondern durchgehend fahren, wird sich die Gesamtzahl der PKWs verringern (von 47,1 auf 44,1 Millionen). 

Der Artikel ist ein Auszug aus unserem Themendossier „Zahlen, Daten, Fakten – Mobilität“. Das Themendossier kann von den Mitarbeitern unserer Partnerunternehmen kostenlos abonniert werden.

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Elisa Strey
Versicherungsforen Leipzig
Elisa Strey unterstützt seit 2019 das Team Unternehmenskommunikation & Partnerbetreuung. Sie verantwortet das Themendossier, eine Fachpublikation der Versicherungsforen Leipzig, und die Kommunikation des New Players Network.

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