Future Skills: Zukunftskompetenzen gesucht, aber nicht gefunden

Die Versicherungsbranche kennt die Future Skills, die sie für die Zukunft braucht. Doch bei Führung, KI und Agilität zeigen sich deutliche Lücken zwischen Anspruch und gelebter Praxis. Eine Studie der Versicherungsforen Leipzig mit 360 Mitarbeitenden zeigt, wo Unternehmen ansetzen können.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Betrieb & Organisation
Themen:
Personalentwicklung Arbeitswelten/NewWork
Future Skills: Zukunftskompetenzen gesucht, aber nicht gefunden

Die Versicherungsbranche weiß erstaunlich genau, welche Kompetenzen sie für ein erfolgreiches Fortbestehen in der Zukunft benötigen. Doch das bloße Wissen reicht an dieser Stelle nicht aus, wenn in der Umsetzung die Fähigkeiten versagen. Zwischen Selbstbild und gelebter Praxis liegt oftmals nicht nur ein kleiner Abstand, sondern eine anschauliche Kluft.  

Die Studie der Versicherungsforen Leipzig (2025) gibt direkte Einblicke in die Wahrnehmung von 360 Mitarbeitenden aus der Assekuranz und deckt Nachholbedarfe auf, um einen kompetenten Umgang mit dem Morgen zu meistern.  

Führung, Technologie, Agilität: Die bekannten Problemstellen   

Die Studie orientiert sich entlang der neun versicherungsspezifischen Future Skills, zu denen zunächst eine Kompetenzeinschätzung durchgeführt wurde. Die größten Defizite erscheinen wenig überraschend:   

  • Führungskompetenz der Zukunft: Hier bezeichnen sich 60 Prozent der Teilnehmenden als mäßig kompetent oder schlechter.
  • Der Umgang mit Digitalem und Künstlicher Intelligenz: Nur knapp über die Hälfte der Teilnehmenden (52 Prozent) gibt an, gut oder sehr gut aufgestellt zu sein.
  • Agilität in Zeiten des Wandels: 43 Prozent der Teilnehmenden sehen sich maximal teilweise in der Lage, mit Veränderungen zurechtzukommen  

Hier zeigt sich deutlich, dass sowohl auf der sozial-kollaborativen Ebene als auch der technologischen Ebene Unsicherheiten herrschen und der Fokus somit nicht nur auf einem der beiden Pole liegen darf. Da Wandel heutzutage einen immerwährenden Begleiter darstellt, zeigen sich Agilität und Resilienz als unverzichtbar, um langfristig gesund und glücklich am Arbeitsplatz zu sein. Gerade jetzt sollte auch die Offenheit der Mitarbeitenden hinsichtlich GenAI und Künstlicher Intelligenz genutzt werden: 47 Prozent bezeichnen sich als sehr aufgeschlossen, neue Technologien zu adaptieren und zu nutzen. Die Studie verzeichnet keine Personen, welche dem völlig abgeneigt sind, sodass sich daraus eine allgemeine Bereitschaft zur Entwicklung erkennen lässt. 

Future Skills

Der Umgang mit Veränderungen kann als zufriedenstellend bezeichnet werden: 84 Prozent der Teilnehmenden geben an, (sehr) flexibel Anpassung an Änderungen umsetzen zu können und im Großteil Erfolg damit zu haben. Niemand der Teilnehmenden ist dem gegenüber völlig verschlossen oder versteift auf Routinen – ein gesunder Nährboden, um Change im Unternehmen voranzutreiben.  

Besonders deutlich werden die Diskrepanzen zwischen Selbsteinschätzung und konkretem Verhalten mit sichtbaren Ergebnissen. Während sich viele Versicherer als grundsätzlich lernfähig, veränderungsbereit oder modern geführt einschätzen, relativiert sich dieses Bild, sobald es um die praktische Ausgestaltung geht. Dann wird sichtbar: Kompetenzen werden eher zugeschrieben als gelebt. 

Aktives Lernen ja, aber bitte passiv? 

Ein zentrales Spannungsfeld der Studie zeigt sich beim Thema Lernen, welches für sich allein bereits einen Future Skill darstellt, allerdings auch als zentrale Komponente die Entwicklung aller anderen Future Skills erst ermöglicht. Zwar wird kontinuierliches Lernen als entscheidende Zukunftskompetenz bewertet, gleichzeitig bleibt Qualifizierung häufig additiv: Trainings, Workshops und Lernangebote kommen „on top“ zum Tagesgeschäft und Mitarbeitenden fehlen Zeit, Budget und Freiraum zur Weiterentwicklung. Besonders fällt auf, dass rund 17 Prozent der Teilnehmenden angeben, derzeit durch ihre Arbeitgebenden keine Weiterbildungsmöglichkeiten für Zukunftskompetenzen zu erhalten.  

Solange Lernen als Zusatzaufgabe verstanden wird, bleibt seine Wirkung begrenzt. Future Skills entstehen im Seminarraum, reifen aber erst durch Reflexion, Anwendung und Erfahrung im operativen Kontext. 

Organisation schlägt Individuum 

Zukunftskompetenzen sind keine rein individuelle Frage. Selbst hochqualifizierte Mitarbeitende stoßen an Grenzen, wenn Organisation, Prozesse und Governance nicht mitziehen. Die Teilnehmenden benennen wiederholt starre Strukturen, unklare Verantwortlichkeiten und fehlende Entscheidungsräume. Damit rückt eine unbequeme Wahrheit in den Fokus: Nicht fehlende Skills bremsen die Zukunftsfähigkeit, sondern organisationale Rahmenbedingungen und Befähigung der Mitarbeitenden. Hier geht viel Momentum verloren, denn die 95 Prozent der Mitarbeitenden haben Interesse an Weiterbildung und dem Austesten neuer Konzepte, wollen sich weiterentwickeln, doch das Sprungbrett wird von Organisationen oft nicht zur Verfügung gestellt.  

Die Studie verbleibt mit einem klaren Fazit: Die Branche weiß, was zu tun ist. Jetzt braucht es Mut zur Umsetzung.

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